Mittwoch, 11. Juli 2012

Die letzten 5 Tage: Ab in die Wüste

Samstag, 07.07.2012

Die Idaho Falls im Morgenlicht
Endlich wieder auf's Rad.
Zwar war es sehr angenehm, für eine Woche mit 4 Rädern zu reisen und die letzten Tage in Idaho Falls waren toll. Doch nun freue ich mich darauf, wieder in die Pedalen zu treten. Nachdem ich mein Gepäck einmal komplett reorganisiert habe, trinke ich mit Ron einem letzten gemeinsamen Kaffee. Danach heißt es Abschied nehmen.
Danke nochmal für alles! Ich habe mich bei Euch sehr wohl gefühlt. Bis zum nächsten Mal! ;-)




Nun geht's ab in die Wüste und dementsprechend heiß wird es auch werden. Daher starte ich bereits um 6:45 Uhr. Dass ich einige Zeit nicht auf dem Rad saß, lassen mich meine Knochen jedoch ein wenig spüren. Muss sich wohl erst alles wieder einspielen. Auch Jolly macht nicht gerade Freudensprünge, dass er wieder in die Lenkertasche darf.
Das anfängliche Glücksgefühl, verbunden mit der Hoffnung, dass mein Hinterteil und mein Sattel auf wundersame Weise zu einer homogenen Einheit verschmolzen sind, weicht nach einigen Meilen wieder der Ernüchterung, dass dies nur eine Wunschvorstellung war. Und auch mein linkes Knie signalisiert mir am Ende des Tages erneut, dass es "not amused" darüber ist, wieder in die Pedale zu treten. Pech! Wir sind ja hier nicht bei "Wünsch dir was". Da geht's jetzt durch! Sind doch nur noch etwa 1200 Kilometer bis Portland. :-)

Viel Gegend in alle Richtungen
Bereits gegen 11 Uhr brennt mir die Sonne mit einer erstaunlichen Energie auf den Helm und weit und breit ist kein Schatten auszumachen. Wie gut, dass ich kürzlich bei einer Rest Area meine Wasservorräte aufgefüllt habe. Damit komme ich nach 111 Kilometern in Arco an, wo ich mich im schlechtesten Motel der gesammten Tour einmiete. Donner und Dori! So mieß sah es von außen gar nicht aus.
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass der Mensch im Laufe seines Lebens, eine bestimmte Anzahl von Spinnen und Ungeziefer während des Schlafens vertilgt. Nun, ich schätze in der kommenden Nacht wird's hier eine tolle Proteinkur geben. Jamjam. Aber ich bin ja nicht mehr so zimperlich, also Augen zu und durch!

Auf dem Parkplatz komme ich mit Jeremie ins Gespräch, der mich zu einem Bier einlädt. Er ist Arzt und gerade im kleinen örtlichen Krankhaus stationiert. Feiner Kerl, daher reicht unser Gesprächstoff auch noch für ein zweites Bier, bevor sich der Weltuntergang ankündigt. Ein heftiges Gewitter zieht über Arco hinweg und ich bin froh, dass ich meine ursprünglichen Pläne, heute zu campen, über den Haufen geworfen habe.


Sonntag, 08.07.2012

Ich musste Jolly die Nacht mit zu mir ins Bett nehmen. Der Arme ist vom Feuerwerk in Idaho Falls noch immer etwas traumatisiert, weswegen ihm das Gewitter wohl wieder die Erinnerungen hochgespült hat.

Ich verlasse Arco und mache nach einigen Meilen kurz beim Craters of the Moon National Monument halt, einer vulkanischen Landschaft mit weiten Lavafeldern. Durch den Park selber führt eine 9 Meilen lange Panoramastraße, die ich mit dem Auto auch sicher gefahren wäre. Bei dieser Hitze teile ich mir meine Kräfte aber doch lieber etwas ein und verzichte auf die Fahrt. Somit nutze ich meinen Besuch im Visitorcenter hauptsächlich um Wasser zu tanken, denn es wird schon wieder ziemlich heiß.



Weiter geht es, immer weiter durch die Wüste. Was in Minnesota die Mais- und Kornfelder waren, ist hier Geröll und Strauchwerk. Doch der Rückenwind schiebt mich den gesammten Vormittag sehr gut vorwärts, sodass ich spontan entscheide, nicht beim angedachten Campground zu halten, sondern noch bis nach Fairfield zu fahren.


Nun, ich hatte wohl damit gerechnet, dass mir der Wind auch nachmittags noch wohlgesonnen sein würde. Doch das war leider ein Schuss in den Ofen. Und so kommt zu der Hitze nun auch noch der Gegenwind. Durch die erhöhte Belastung wird der Schmerzsensor in meinem Knie auch gleich wieder angeregt, vermehrt Signale an mein Hirn zu senden. Ob das so eine gute Idee war?

Da es in dieser Gegend eigentlich keine andere Ost-West Verbindung gibt, ist der Highway recht stark befahren. Ist ja auch Sonntag. Und eine Shoulder ist so gut wie nicht vorhanden. Folglich darf ich teilweise wieder akrobatische Übungen vollziehen, um nicht unter die Räder zu gelangen.

Etwa 10 Kilometer vor Fairfield, gerade als ich wieder einem anderen Verkehrsteilnehmer wild gestekulierend klar mache, dass ich mit seinem Überholmanöver nicht einverstanden bin, scherrt einige Meter vor mir ein Wagen auf den Randstreifen. An der Handbewegung des Fahrers erkenne ich, er möchte mit mir in Kontakt treten. Fein! Der war zwar nicht gemeint, doch ich bin gerade so schön geladen, dass wir nun aufpassen müssen, dass hier nichts eskaliert. Angespannt halte ich neben dem roten Autochen und blicke in ein freundliches Gesicht Es ist Randy, der mir gut gelaunt die Hand schüttelt und mich direkt fragt, ob ich "warmshowers.org" kenne. Er ist dort angemeldet und bietet in Fairfield kostenlos ein kleines Häuschen an. Wenn ich Lust habe, kann ich dort pennen. Leicht verwirrt muss ich grinsen. Natürlich kenne ich diese Website, doch damit habe ich ja gerade mal gar nicht gerechnet. Da ich noch kein Plätzchen für die kommende Nacht habe, nehme ich diese Einladung natürlich dankend an.

Abgekämpft und stehend K.O. erreiche ich nach 148 Kilometern Fairfield. Randy wartet schon bei dem Gästehaus auf mich und zeigt mir alles. Er lädt mich auch noch auf ein Bier zu sich ein, doch das würde mir heute den Rest geben, weswegen ich, ein wenig traurig, dankend ablehne. Kurze Zeit später schaut noch seine Frau Laura vorbei und lädt mich für morgen früh zum Frühstück ein. Wow! Manche Dinge geschehen, wenn man am Wenigsten damit rechnet. Life's good :-)


Montag, 09.07.2012

Nach dem tollen Frühstück bei Laura lässt sich der neue Tag auf dem Radl etwas gequält an. Der gestrige Tag steckt mir noch spürbar in den Knochen. Dafür sind es aber auch nur knapp 100 Kilometer bis nach Mountain Home, meinem heutigen Tagesziel.

Hier in Idaho stoße ich immer wieder auf den ursprünglichen Verlauf des berühmten Oregon Trails. Er ist die erste und wohl auch bekannteste Route, auf dem die Siedler mit ihren Planwagen damals nach Westen gezogen sind, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Man kann sich nur schwer vorstellen, welche Strapazen das gewesen sein müssen, in dieser sengenden Hitze und nur mit den einfachsten Mitteln überleben zu müssen. An manchen Stellen finden sich noch Überreste alter Siedlungsbauten. Ich wandere also auf dem Pfad der Geschichte.

The Devils Dive :-)
So karg die Landschaft ist, so schön ist sie aber auch und ich lasse mich von dem leichten Rückenwind über die Hügel tragen. Zumindest bis kurz vor Mountain Home. Da muss ich leider die Richtung ändern und aus dem leichten Rückwind wird ein starker seitlicher Gegenwind. Über Meilen habe ich nun eine Downhill Passage vor mir. Ich habe das Gefühl, dass mit jedem Meter, den ich an Höhe verliere, die Temperatur überproportional ansteigt. Aus dem starken Gegenwind wird somit ein heißer starker Gegenwind. Wahnsinn!

Ich denke, in Mountain Home habe ich den heißesten Punkt meiner Tour erreicht. Ich halte im örtlichen Wal-Mart und laufe orientierungslos durch die Gänge, einfach um mir etwas Kühlung zu verschaffen, bevor ich mich im Hilander Motel einmiete.

Dunkler Rauch über Mountain Home
Am späten Nachmittag werde ich noch Zeuge eines Wildfires, welches direkt vor den Toren des Ortes ausgebrochen ist. Der Verkehr wird von der Interstate durch die Stadt geleitet und dunkle Rauchwolken verdecken die Sonne. Löschflugzeuge kreisen und später am Abend kriecht der Duft des Feuers sogar unter meiner Zimmertür durch.
Zwar stehen andere Heimbewohner, genau wie ich, etwas ratlos schauend vor ihren Zellentüren, doch der Inhaber erklärt uns, in seiner freundlich indischen Art, dass dies um die Jahreszeit ganz normal sei und die Feuerwehr das schon machen wird. Also, kann nix mehr passieren. :-)



Dienstag, 10.07.2012

Da mir mein Knie ein wenig Sorgen bereitet, lege ich heute einen Day Off ein und nutze die Zeit für meinen ersten amerikanischen Friseurbesuch. In Downtown Mountain Home finde ich Patsy's Hair Design, wo mir ein Haarschnitt für 12 Dollar angeboten wird. Ich komme sogar ohne Wartezeit direkt dran. Nun, ich lasse noch längst nicht Jeden an mein Haupthaar, doch ich bin auf einer Biketour, und da zählt nur der praktische Nutzen. Also Eitelkeit abgelegt und rein in den Laden. Ich meine, 12 Dollar für Schneiden und Waschen, günstiger bin ich noch nie zu einer kürzeren Frisur gekommen. Das Ambiente gleicht allerdings eher dem kargen Charme einer etwas zu groß geratenen Döneria. Auch ist für 12 Dollar nur der Grobwaschgang enthalten. Die Dame rubbelt mir den Schädel, als würde sie mir Hornhaut entfernen wollen. Nach gefühlten 20 Minuten ist die Sache gelaufen, frei nach dem Pit-Stop-Prinzip: "Rein, rauf, runter, raus". Das Ergebnis kann sich jedoch durchaus sehen lassen. Ich bin zufrieden und auch Jolly teilt meine Einschätzung der Lage.


Mittwoch, 11.07.2012

Nachdem ich Ann & Chuck, meine heutigen Gastgeber, gestern nochmal vertrösten musste, will ich sie heute jedoch nicht warten lassen. Über die Interstate 84 mache ich mich auf den Weg nach Boise. Konnte ich bisher geschickt alle Fahrten auf Interstates vermeiden, bleibt mir heute jedoch keine andere Wahl. Es führt nur dieser eine, geteerte Weg nach Boise. Die Fahrt ist jedoch nicht so schlimm wie ich zunächst vermutet hatte. Zwar rauschen hier die dicken Trucks mit einem Höllenlärm an einem vorbei, doch die Shoulder ist sehr breit und gut befahrbar. Viele Verkehrsteilnehmer weichen netterweise sogar auf die linke Spur aus, um mir einen größeren Überlebensspielraum zu geben. Da habe ich mich auf anderen Gassen schon erheblich unsicherer gefühlt.

Ein großes Problem ist jedoch der ganze Müll, der auf der Shoulder rumfliegt. Jede Menge zerfetzter Reifen und Teile der Karkasse mit dem dünnen Drahtgewebe, dass natürlich Gift für meine Pellen ist. Und so kommt, was kommen musste: Ich habe meine zweiten Platten. Toll! Auf der Interstate. Und kein vernünftiger Platz zum Reifen wechseln.

Ich mag mich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden und so versuche ich zunächst mal wieder einen Pickup Truck anzuhalten. Ich winke also hilfsbedürftig in den Verkehr hinein, doch man winkt mir nur freundlich zurück. Unglaublich! Was denken die? "Oh da steht ein netter Mensch mit einem Fahrrad auf der Interstate und winkt mir zu. Das ist aber freundlich. Winke Winke." Unfassbar.

Frei nach dem Motto "Einmal ist immer das erste Mal" habe ich heute also Premiere im "Reifen wechseln auf der Autobahn". Nach getaner Arbeit nehme ich die Straße wieder unter die Reifen, in der Hoffnung, mich nicht wieder in einem Drahtnetz zu verfangen.
Wieso lassen die den ganzen Müll hier rumliegen? Nach mir die Sintflut? Wird schon Jemand wegräumen? Ne! Räumt nämlich keiner weg!

Chuck, der Olli, Rebekah, Sarah
Wie eine Oase in der Wüste begrüßt mich die Hauptstadt Idahos. Entlang des "Boise Greenbelt" fahre ich, immer entlang des Flusses, quer durch die ganze Stadt, verweile an diversen Punkten und lasse die Umgebung auf mich wirken. Wirklich schön.

Ann erwartet mich schon. Vor über 20 Jahren ist sie aus der Fuldaer Region (unser hessisches Fulda) in die Staaten ausgewandert. Daher klappt die Verständigung auf anhieb, auch wenn ihr nicht mehr jedes Wort sofort auf Deutsch einfällt ;-)

Milow, mein neuer Spielkumpel
Zusammen mit ihren Kindern und ihrem Mann Chuck verbringen wir einen gemütlichen und sehr schönen BBQ Abend. Habe noch nie so große Steaks gegessen. Sehr lecker. Ich bekomme sogar noch eine Stadtrundfahrt, vorbei am Capitol.
Und ihr Hund Milow hat nach anfänglichen Berührungsängsten schließlich einen neuen Spielkumpanen gefunden. Der Kerl ist wirklich zu putzig. Wäre ich mit dem Auto da, würde ich ihn wohl klauen :-)

          



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Freitag, 6. Juli 2012

Die letzten 3 Tage: Independence Day, Birdwatching and Fly fishing

Ein richtiges Bett! Seit über einer Woche wieder ein richtiges Bett. Und dann auch noch so ein bequemes Exemplar. Eigentlich will ich gar nicht aufstehen, doch Ron ist unerbittlich. Es ist Independence Day! Um 9:00 Uhr ist die Parade und da wir zeitig da sein wollen, wird eben auch zeitig aufgestanden. Mit Kaffee und Banana Bread beginnen wir den Tag. Wir müssen beide schmunzeln, denn es erinnert uns an letztes Jahr, als wir am Campground den Tag ebenfalls so begonnen haben.
Ron und ich fahren zur Parade, während Mary noch zuhause bleibt, da sie das BBQ vorbereiten will. Sie kommt später nach.
Nun, die Parade ist schon ziemlich beeindruckend. Als Europäer, speziell Deutscher, stehst du da schon relativ ungläubig staunend und mit großen Augen rum, und weißt eigentlich gar nicht so recht, wohin mit dir. Wahnsinn :-)

          

          

Nach der Parade kehren wir nachhause zurück und gönnen uns eine kleine Auszeit, bevor gegen 13:00 Uhr die Gäste zum BBQ erscheinen. Insgesamt sind wir 11 Leute und es ist entwickelt sich zu einem sehr angenehmen Nachmittag. Auch wenn ich nicht alles hundert prozentig verstehe, klappt die Konversation doch besser als ich befürchtet hatte.

Eine weitere Tradition am 4. Juli ist das Baseball Game, zu dem mich Ron & Mary einladen. Die Mannschaft von Idaho Falls spielt zwar nicht in der ersten Klasse, doch immerhin in der untersten Profiliga. Mein erstes Baseball Spiel und Ron versucht beständig, mich mit den Regeln vertraut zu machen. Früher als geplant ist das Spiel bereits beendet, da die Heimmannschaft weit überlegen ist.

          

Bis zum letzten traditionellen Event, dem Feuerwerk, haben wir noch eine Stunde Zeit. Dennoch begeben wir uns bereits zum Ort des Geschehens, um einen vernünftigen Platz zu erhalten. Da das Feuerwerk wohl eines der größten diesseits des Mississippi ist, ist der Andrang entsprechend groß. Viele campen bereits seit dem Morgen am Flussufer, um die besten Plätze zu erhaschen. Was dann abgeht, habe ich in dieser Dimension in der Tat noch nicht gesehen. Über eine halbe Stunde lang brennt der Himmel über dem Snake River. Der örtliche Radiosender strahlt ein Programm aus, was mit dem Feuerwerk synchron verläuft. Aus tausenden mitgebrachter Radios erklingen die patriotischen Songs und machen so die Atmosphere perfekt. Ein langer Tag findet ziemlich lautes Ende.

          

Als wir nachhause kommen ist Jolly nicht da, wo ich ihn vermuten würde. Sämtliches Rufen und Suchen ist zwecklos. Jolly ist verschwunden. Naja, das Feuerwerk war ziemlich laut. Wahrscheinlich hat er sich in die letzte Ecke verkrochen. Ich gebe ihm noch ein wenig Zeit und gehe ins Bett.


Donnerstag, 05.07.2012

Als ich wach werde blicken mich zwei vorwurfsvolle Augen an. Jolly! Er sieht ein bischen aus wie Scrat aus Ice Age, nur etwas zorniger. Nachdem ich ihm aufrichtig versichert habe, dass es mir leid tut, lichten sich seine Zornesfalten und er nimmt schließlich meine Entschuldigung an. Olle Zicke :-)

Heute morgen fahren Ron und ich mein Rad zu einem örtlichen Bikeshop. Für die Reperatur der gebrochenen Speiche werden gerade einmal 16 Dollar, also umgerechnet etwa 13 Euro fällig. Wir müssten mal den Michael fragen, ob das in Deutschland auch zu diesem Preis zu haben ist. ;-)

Eigentlich wollte ich heute ein wenig ausruhen und meine weitere Tour planen, doch Glenn, der gestern auch beim BBQ war, rief an und fragte, ob wir nachmittags nicht zum Birdwatching wollen. Laut Ron ist Glenn ein ausgesprochener Spezialist auf diesem Gebiet und es ist ein Vergnügen mit ihm loszuziehen. Um ehrlich zu sein, kam ich bisher noch nie auf die Idee mir Vögel anzuschauen, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Gesagt getan. Wir holen Glenn ab und machen uns auf den Weg zum nahe gelegenen Habitat. Unterwegs versuche ich unseren ollen deutschen Kaluer "Ich bin gut zu Vögeln" ins Englische zu übersetzen, muss dann jedoch feststellen, dass es keine adäquate Übersetzung gibt, welche die Doppeldeutigkeit unserer Sprache auch im Englischen wiedergeben würde. Also halte ich lieber meine Klappe. :-)

Glenn ist wirklich ein Meister seines Faches. Und obendrein ist er ein sehr humoristischer Zeitgenosse. Es war genau die richtige Entscheidung, unseren Nachmittag in dieser Form zu verbringen. Wieder einmal stellt man erstaunt fest, wie wunderschön die Natur doch ist, wenn man sich einfach die Zeit nimmt, um zu beobachten.
Thanks a lot Glenn! I enjoyed our trip very much! It was a perfect idea.


Freitag, 06.07.2012

Als ich Ron & Mary letztes Jahr kennenlernte, versprach mir Ron, dass er mir eine Exkursion im "Fly fishing" geben würde, sollte ich sie einmal besuchen kommen. Ich weiß nicht, ob er sich noch daran erinnert hat. Ich konnte mich sehr gut erinnern und somit komme ich heute gerne auf dieses Angebot zurück. :-)

Unsere Fahrt führt uns an den "Warm River", einige Meilen nordöstlich von Idaho Falls gelegen. Nachdem ich in die grundsätzliche Vorgehensweise beim Fly fishing instruiert wurde, darf ich einige Trockenübungen absolvieren. Ron macht sich einen Spaß daraus, mir wie ein "drill sergeant", entsprechende Befehle zuzurufen. "ten o'clock! two o'clock! ten o'clock! two o'clock! pretty simple!" :-) Wobei hiermit der Vor- und Rückwurf des Rutenarms gemeint ist, um immer mehr Schnurr von der Rolle zu geben und den Köder schließlich auf dem Wasser zu platzieren.
Gar nicht so einfach, vor allem unter Hochspannungsleitungen. Doch schließlich habe ich diesen Teil bestanden und wir machen uns auf in die Fischgründe.

Man merkt Ron an, dass er in seinem Element ist. Voll ausgerüstet sieht er mit seiner Anglerweste aus, wie ein Hijacker, der sich jeden Moment in die Luft sprengen will. Neben ihm sehe ich wahrlich aus wie ein Anglertourist. :-)
Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich hätte nicht gedacht, dass das einen solchen Spaß machen kann. Obendrein gehen mir doch tatsächlich auch 3 Fische an die Leine! Ich vermute ja noch immer, dass das reiner Zufall war oder sie sich einfach verschwommen haben. Wie dem auch sei, mein Herz ist zu weich, als dass ich etwas Anderes mit ihnen machen könnte, als sie wieder zurück in den Fluss zu entlassen. Am Ende des Tages haben wir zwar nichts zu Essen, doch dafür einen tollen Tag gehabt und so gehen wir zusammen mit Mary in einen Carl's Junior :-)

          

Thanks Ron for your patience. I had a blast! Next time it's my job to let the fish off the hook ;-)

Ziemlich geschlaucht falle ich abends ins Bett. Dabei waren wir doch "nur" zum fly fishing. Da ich morgen ziemlich früh starten will, Mary jedoch noch nicht so zeitig aufstehen möchte, verabschieden wir uns schon heute Abend.

Thank you so much Mary for your hospitality, the delicious meals and the icecream bomb of course. ;-) By the way: I forgot the recipe...

Dienstag, 3. Juli 2012

Die letzten 3 Tage: Yellowstone and the Tetons

Sonntag, 01.07.2012

Die Nacht in meinem vierrädrigen Schlafzimmer war okay. Kein 4-Sterne Komfort aber okay. Habe noch Möglichkeiten zur Optimierung entdeckt, sodass die folgende Nacht sicher besser wird. Kalt ist es. Richtig kalt. Wir befinden uns ja auch auf etwa 2700 Metern. Bin froh, dass ich mir in weiser Voraussicht noch'n Fließinlet beim Walmart geholt hab. Mein Schlafsack zeigt nämlich schon wieder deutliche Zeichen der Überforderung. Heute morgen verliere ich keine Zeit mit Frühstück, ich will zum Yellowstone. Werde mir unterwegs irgendwo einen Kaffee und'n Doughnut auf die Hand holen. Healthy Breakfast, boaah! :-)

Doch mein Glück dass ich früh aufgestanden bin. Als ich runter zum Bear Lake gehe, breche ich vor diesem Panorama beinahe zusammen. Unglaublich schön. Kenne ich sonst nur von Bildern. Und das Sahnehauberl: Ich bin gänzlich allein! :-)
Unnötig zu erwähnen, dass mir Frühstück und Yellowstone momentan ziemlich egal sind.
Ich befinde mich hier an einem magischen Ort vollkommener Schönheit. Zeit und Raum verschmelzen. Zukunft und Vergangenheit existieren nicht. Hier ist nur der gegenwärtige Augenblick. Das "Jetzt".
Nur blöd, dass die dämlichen Moskitos auch im gegenwärtigen Augenblick existieren. Das ruiniert meinen Genuss der Szenerie leider ein klein wenig. :-(

          

Die Fahrt führt mich weiter über den wunderschönen Beartooth Highway. Ich kann mich gar nicht satt sehen und halte daher an mehreren Aussichtspunkten. Gestern gab es Berichte über ein Wildfire in der Gegend. Offensichtlich ist es unter Kontrolle, doch es gibt noch Staus.

Was ich auch nach mehreren USA-Reisen nicht verstanden habe, sind die Lollipop Männchen. Ich kann mir nur schwer einen stupideren Job vorstellen, als bei brütender Hitze den ganzen Tag ein Stop Schild zuhalten, bzw. hin und wieder zu drehen und aufzupassen, dass ich von den Moskitoschwärmen nicht gefressen werde. Und wieso muss der arme Kerl nen Bauhelm tragen? Hier könnte ihm höchstens der Himmel auf den Kopp fallen. Ich meine, ohne ein "smart ass" sein zu wollen, aber in Germany haben wir an dieser Stelle ne Ampel stehen. Aber andere Länder...

In Cooke City halte ich noch kurz für einen hoffnungslos überteuerten Kaffee, bevor es in den Yellowstone Park geht. Am Parkeingang komme ich mit Ben dem Parkranger ins Gespräch. Als er erfährt, dass ich aus Deutschland bin, kommt er ins Schwärmen von seiner Reise durch Europa und Bayern. "Ein Bier bitte" gibt er mit seinem breiten amerikanischen Akzent zum Besten und grinst dabei über alle Backen. Es hat ihm super gefallen und er möchte gerne wieder nach Garmisch Partenkirchen. Ein netter Kerl. Leider bin ich nicht der Einzige, der in den Park will, ansonsten hätte ich mich gerne noch weiter mit ihm unterhalten.

Die ersten Meilen im Park sind dem sehr ähnlich, was ich bereits ausserhalb des Parks gesehen habe. Die eigentlichen Attraktionen sind die große Ansammlung von Geysiren, Schlammtöpfen und heißen Quellen und befinden sich an anderer Stelle im Park. 1872 gegründet ist er damit nicht nur der erste Nationalpark der USA, sondern auch der älteste Park der Welt (wieder mal Wikipedia).
Mein erstes Ziel sind die Tower Falls, wo ich bereits das erste Mal auf einen Parkplatz warten muss. Nunja, es ist Sommer- und Ferienzeit, noch dazu ist dieser Park ziemlich beliebt.

Weiter geht es zu den Mammoth Hot Springs, wo ich zum ersten Mal mit den geothermalen Aktivitäten in Berührung komme, und mit der schwefelhaltigen Luft. Puuh! Es sieht hier ein bischen aus wie die kleine Ausführung von Pamukkale in der Türkei, mit dem Unterschied, dass man hier besser nirgends die Füße reinhält.

          

Bei meiner weiteren Fahrt durch den Park halte ich an den verschiedensten Aussichtspunkten und Geysiren. An allen Ecken dampft, sprudelt und blubbert es und ständig riecht es nach Schwefel. Es ist eine faszinierende Welt, auch deshalb, weil es niemand mitbekommt, wenn's auch mal bei einem selber "blubbert". Kann man immer auf die hohe Schefelkonzentration in der Luft schieben ;-)

Schließlich besuche ich noch das Norris-Geysir-Becken. Hier ist mit dem Steamboat Geysir der derzeit größte aktive Geysir der Welt beheimatet. Seine Eruptionen erfolgen jedoch sehr unregelmäßig, sodass ich bei meinem Besuch leider keinen Ausbruch erlebe.

Auf meinem Weg zurück zum Parkplatz hoppelt mir plötzlich ein kleines Häschen vor die Nase. Von der anderen Seite des Weges sehe ich eine Chinesenfamilie auf mich zukommen. Höchste Gefahr also für den Hoppelhasen, im Suppentopf zu landen. Aber noch bevor ich dem Mümmelmann Schutz bieten kann, wird er bereits von der Familie entdeckt. Ich befürchte schon das Schlimmste und beginne, mich in Selbstvorwürfe zu kleiden. Doch wir haben Glück. Der Kleine landet nur unzählige Male in den Digitalkameras der Familie :-)

Nachdem die Campgrounds meiner Wahl leider schon belegt sind, fahre ich wieder einige Meilen nach Norden zum Indian Creek Campground, wo ich die Optimierungen meines Schlafwagens für die kommende Nacht vornehme.


Montag, 02.07.2012

Diese Nacht war tatsächlich besser. Bis ich den Wagen morgen abend abgebe, habe ich meine Schlafumgebung optimal konfiguriert. Bringt mir dann leider nur nichts mehr. Es war wieder eine kalte Nacht. Hatte heut morgen eine kleine Eisschicht auf dem Auto. Ein Blick auf den Temperator verrät mir, es sind umgerechnet 2 °C. Brrrrr!

Ich bin schon recht früh wieder auf der Straße, denn ich möchte noch möglichst viel vom Park sehen, bevor ich am frühen Nachmittag zum benachbarten Grand Teton weiterfahren will. Mit mir früh auf der Straße ist auch dieser Kollege, der sich jedoch Zeit nimmt und die Straße einfach nicht verlassen will. Nach etwa 5 Minuten schlägt er sich dann allerdings ins Gebüsch.

Es ist faszinierend so früh durch den Park zu fahren. Überall sieht man kleine oder große Dampfwolken in der Luft stehen und man bekommt nochmal einen Eindruck davon, was hier unter der Erde eigentlich los ist.

          

Ich stoppe am Upper und Lower Geysir Becken, doch leider sind die Pools wegen des vielen Wasserdampfes nicht richtig zu sehen. Die Hauptattraktion sind daher die vielen Japaner, die wirklich alles Knipsen, was irgendwie nach Attraktion aussieht, allerdings ohne sich die jeweils abgelichtete Attraktion auch nur mal eine Minute anzuschauen. Wahnsinn! Raus aus dem Bus. Knipsen, Knipsen, Knipsen. Rein in den Bus. :-)

          

Meine Fahrt führt mich zum Old Faithful, der Hauptattraktion des Parks, da er in regelmäßigen Abständen eine 30 - 50 Meter hohe Wassersäule in die Luft schießt. Im Visitor Center sind die Ausbruchzeiten bereits vorberechnet. Ich habe Glück und treffe genau zu einer Eruption am Old Faithful ein. Zwar schaffe ich es nicht mehr bis an den Geysir ran, doch auch aus meiner Position lässt sich der Ausbruch schön beobachten.
Im Grant Village halte ich an, um bei der dortigen Massendusche ein wenig Körperpflege zu betreiben. Zwingend notwendig, da ich wohl erst morgen Abend bei Ron & Mary in den Genuss einer Dusche kommen werde. Anschließend drehe ich noch eine Runde beim West Thumb Geysir Becken, bevor ich mich vom Yellowstone verabschiede und den Grand Teton Nationalpark begrüße.

          

Auf dem Weg zu meinem Campground fahre ich entlang des Jackson Lake und genieße immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Teton Range. Postkartenidylle!
Nachdem ich mir eine Campsite gesichert habe, drehe ich noch eine Runde entlang des Jenny Lake und halte an diversen Aussichtspunkten, bevor ich den Tag mit einem schönen Feuerchen ausklingen lasse. Eigentlich wollte ich zum Sonnenuntergang noch auf den Signal Mountain, doch Jolly hat darauf bestanden, dass wir nochmal ein schönes Lagerfeuerchen machen. Wer weiß, wann wir wieder dazu kommen. Außerdem hat er tagsüber nicht viel getrunken und daher tierischen Durscht auf ein eiskaltes Coors. Ich tue ihm natürlich den Gefallen. :-)

          


Dienstag, 03.07.2012

Zwar war es wieder kalt, doch ich hab prima geschlafen. Eigentlich fast schade, dass ich mein Schlafwagen heute abend schon wieder abgebe, jetzt wo er optimal konfiguriert ist.

Nachdem ich gestern bereits die meisten Punkte im Park angesteuert habe, lasse ich es heute ruhig angehen. Und tatsächlich finde ich ein Plätzchen mit tollem Blick auf den Jackson Lake, an dem sich den kompletten Vormittag keine andere Seele blicken lässt. Ich nutze die Zeit, um vor dem tollen Panorama ein Buch zu lesen, während Jolly mit den Moskitos spielt.

          

Als sich der Platz gegen Mittag mit Leuten füllt, verlassen wir die Szenerie und fahren noch ein wenig im Park spazieren, bevor wir in Richtung Idaho Falls aufbrechen.

Gegen 18:00 Uhr erreichen wir Ron & Mary. Schön die Beiden wiederzusehen. Habe sie im Frühjahr 2011 am Goosenecks State Park Campground in Utah kennengelernt. Damals hatten sie mich zu sich eingeladen, sollte mich mein Weg jemals ins Yellowstone Gebiet führen. Well, here I am! :-)
Nach einem leckeren Abendessen bringen Ron und ich den Wagen zum Flughafen. Anschließend ziehe ich mich zeitig in meine Gemächer zurück. Morgen ist der 4. Juli, Independence Day. Die Beiden haben den Tag mit mir voll verplant. Parade, BBQ, Football, Feuerwerk. Ich brauche also meine Kraft. :-)



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