Donnerstag, 12.07.2012
Da mein Knie einfach keine Ruhe geben will, haben wir gestern beschlossen, dass Ann & Chuck mir heute noch etwas "Starthilfe" geben; bzw. Ann hat mir das nahe gelegt. ;-) Meine ursprünglich geplante Route quer durch Oregon, hält sie für zu schwierig und vor allem, für zu heiß. Ich solle lieber entlang des Columbia River bis Portland fahren, da es dort deutlich weniger hügelig ist und es angenehmere Temperaturen hat. Das ist schon ein wenig frustrierend. Für so lange Zeit hatte ich mit dem Knie keine Probleme, dafür nun umso mehr. Letztendlich sehe ich es ein wenig gefrustet ein und stimme der Starthilfe zu.
Wir beladen den Wagen und die Beiden fahren mich von Boise nach Pendleton in Oregon. In Baker City halten wir zwischenzeitlich bei einer Art Museum über den Oregon Trail, der direkt hier entlang führt. Toll gemacht und gute Informationen über die damaligen Gegebenheiten und Strapazen, denen sich die Siedler ausgesetzt haben. In Pendleton angekommen werde ich bei einem Motel 6 abgeladen. Anschließend gehen wir in Downtown Pendleton noch einen saftigen Burger essen, bevor die Beiden die Rückreise antreten. Die von Ann prophezeiten kühlerern Temperaturen müssen wohl noch unterwegs sein, denn irgendwie ist es hier heißer als in Boise. ;-)
Was soll ich sagen: Viele vielen Dank Ann & Chuck, sowohl für die tolle Gastfreundschaft, als auch für die Fahrt. Ich sehe es zwar ein, dass es für das Knie besser ist, doch so richtig toll fühle ich mich nicht. Ich wollte das aus eigener Kraft schaffen! ;-) Auf jeden Fall hoffe ich, dass wir uns wiedersehen!
Den Rest des Tages verbringe ich damit, meinen Ärger über mein Knie zu unterdrücken und meine weitere Strecke zu planen. Bis Portland sind es nun etwa 350 Kilometer, bis zur Küste nochmal weitere rund 150 Kilometer. Eigentlich sollte Portland mein Ziel sein, doch dadurch, dass ich nun vor dem Zeitplan liege, werde ich bis an den Pazifik fahren, auch wenn das bedeutet, nochmal eine Gebirgskette zu überqueren. Das Knie wird das aushalten müssen. Ende der Diskussion.
Freitag, 13.07.2012
Da ich es mir zeitlich nun erlauben kann, lege ich heute kurzentschlossen noch einen Day off ein. So gesehen hätte ich auch noch einen weiteren Tag bei Ann & Chuck bleiben können, was bestimmt auch Milow gefreut hätte. Und es wäre ganz sicher spassiger gewesen. Aber wieder einmal sind wir hier ja nicht bei "Wünsch dir was". Daher verbringe ich den Tag in Pendleton, was nebenbei bemerkt, sehr bekannt für seine Rodeos ist. Am heutigen Tag ist jedoch keine Veranstaltung. Wäre ja auch zu schön gewesen.
Als ich wieder im Motel ankomme, klebt Jolly mit der Nase an der Scheibe des Motelzimmers. Überflüssig zu fragen, was er da treibt, denn vor dem Nachbarzimmer steht ein Pickup Truck, mit einem Wauzi auf der Ladefläche. Wenn ich 1 und 1 zusammenzähle, scheint das ein Mädchen zu sein, denn bei Milow war er nicht so interessiert. Er wird sich doch nicht gerade verlieben...
Samstag, 14.07.2012
Ein weiterer Ritt auf der Interstate steht an, der jedoch recht ereignislos verläuft. Rund 75 Kilometer geht es kerzengerade durch die Wüste. Ohne einen Platten komme ich am frühen Nachmittag in Boardman an, wo ich mich im Roadway Inn einmiete.
Vor meiner Zimmer, ich empfinde dieses übrigens als das beste Zimmer der gesamten Tour, komme ich mit Jerome ins Gespräch, der gerade dabei ist, seinen Truck sauber zu machen. Jerome arbeitet bei General Electric und stellt überall im Land die Windturbinen auf. Da er ein sehr mitteilungsbedürftiges Kerlchen ist, bin ich nun ein wandelndes Turbinenlexikon.
Für diejenigen unter uns, die Uwe M. noch kennen: Jerome ist eine fast exakte Kopie in Mimik und Emotion, faszinierend! In Anlehnung an Uwe's legendäres "hmpf, Notes" entgegnet mir Jerome auf meinen Hinweis, dass ich noch bis zu Küste fahren will, da es dort sicher traumhaft ist: "hmpf, just water". Weltklasse :-)
Uwe, falls Du hier noch mitließt, nix für ungut, aber das war atemberaubend!
Den restlichen Nachmittag verbringe ich am Columbia River und gönne mir abends im örtlichen Restaurant einen Chickenburger mit Pommes. Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei diesem Exemplar jedoch in einer derartigen Schieflage, dass es fast schon wieder komisch ist. Aufgrund meines etwas verhandlungsunsicheren englischen Vokabulars, sehe ich jedoch von einer Beanstandung ab.
Sonntag, 15,07.2012
Es wurde gestern bereits angekündigt, dass heute ein windiger Tag werden soll, was per se erstmal nichts Schlechtes ist. Nur ist es in meinem Fall extrem hinderlich, da das Lüftchen aus der falschen Richtung kommt. Und der Begriff "Wind" verfehlt den Kopf des berühmten Nagels auch um einige Meter. Es ist die heftigste Luftbewegung, der ich mich, seit meinem Start in New York, ausgesetzt sehe. Für die 5 Kilometer von meinem Hotel zu einer Rest Area brauche ich eine halbe Stunde. Ich komme kaum mit 10 km/h vorwärts, was den Spaß des Unterfangens deutlich einschränkt. Aber was soll's, so sind die Bedingungen nunmal, also reite ich mal weiter.
Gerade als ich von der Rest Area zurück auf die Interstate fahre, bemerke ich ein etwas schwammiges Verhalten der Vordergabel. Ich halte an, schließe die Augen, atme langsam und tief ein und lasse die Luft wieder komplett aus meinen beiden Lungenflügeln entweichen. Erst jetzt öffne ich die Augen wieder und schaue gefasst auf mein Vorderrad. Was ich dort sehe erstaunt mich nun nicht mehr übermäßig. Flat tire No. 3!
In diesem Moment muss ich an Ann denken. Hatten wir doch extra noch den "Green Slime" gekauft, welcher die Reifen von innen abdichten soll. Leider steht die Tube noch so wie wir sie gekauft haben in Boise. :-(
Offensichtlich scheint es sich nur um ein kleines Loch zu handeln, denn die Luft ist nicht komplett raus. Ich pumpe den Reifen nochmal auf und in der Tat verliert er nur langsam an Luft. Wenig motiviert, hier wieder einen Reifenwechsel vorzunehmen, fahre ich zu nächsten Ausfahrt und... ...zurück nach Boardman. Kommentar überflüssig. Das ist heut nicht mein Tag. An der Ausfahrt pumpe ich den Reifen jedoch nochmal so voll, wie das mit meiner kleinen Pumpe eben möglich ist.
Als ich über die Brücke fahre und auf die Gegenfahrbahn einbiege, habe ich das Gefühl, von einer Art Sog erfasst zu werden. Wahnsinn wie das hier pfeift. Mit über 40 km/h fegt es mich zurück nach Boardman. Wind ist schon was Tolles, wenn er aus der richtigen Richtung pfeift.
Angela, die Hotelmanagerin, schaut mich etwas fragend an, als ich plötzlich wieder vor ihr stehe. "You forgot something?" fragt sich mich. Ich erkäre ihr, dass das heute aufgrund des Windes ein ziemlich schlechter Tag sei, um vernünftig vorwärts zu kommen und ich überflüssigerweise auch noch einen Platten hätte. Ob ich noch eine weitere Nacht hier bleiben könne.
Offensichtlich habe ich mit meinem Hundeblick ihren Mutterinstikt geweckt, denn sie bietet mir an, das Zimmer zu einem Bruchteil des eigentlichen Preises zu beziehen. Das sei ihr Support für meinen Trip. Ist das nicht toll?! Erfreut und gleichzeitig gerührt nehme ich ihr Angebot vielfach dankend an. Life's good :-)
Gerade als sie die Formalitäten erledigt, kommt ihr Kollege rein. "Hey man what's up! Two flats! Very bad." Überrascht gebe ich zurück: "No just one flat!" und gehe nach draußen, um die Hiobsbotschaft zu prüfen. Tatsächlich! Da steht mein Schmuckstück ohne Luft in beiden Pellen. Was soll mir dieser Tag sagen?
Angela erkärt mir, dass in diesem Gebiet viele kleine Dornen rumfliegen und checkt meine Reifen. Und in der Tat. Im Hinterrad steckt eine dieser Dornen. Ob ich denn nicht den "Green Slime" verwenden würde, der dichtet solch kleine Löcher ab. Nun, ich denke ich werde mir diesen gleich heute besorgen.
Montag, 16.07.2012
Reifen sind geflickt, Green Slime ist eingefüllt, von nun an sollte, zumindest bei den Reifen, nichts mehr schief gehen. Mein Weg führt mich auf der Interstate immer entlang des Columbia River, der an vielen Stellen so breit ist, dass man das Gefühl hat, an einem See zu sein. Von dem gestrigen starken Gegenwind ist heute nichts mehr übrig. Im Gegenteil, ich habe sogar leichten Rückenwin.
Es ist ein toller Tag, kein Wölkchen weit und breit, sehr warm aber nicht heiß und der Verkehr hält sich auch in Grenzen, sodass auch die meisten Trucks brav auf zweite Spur ausweichen.
Am frühen Nachmittag mache ich in einem kleinen Park am Fluss halt. Sehr idyllisch gelegen, sodass ich hier gerne campen würde, auch wenn ich eigentlich noch ein paar Meilen fahren könnte, denn mein Knie hält sich heute erfreulicherweise zurück.
Mit meinem Hundeblick komme ich beim hiesigen Parkranger jedoch nicht weit. Auf meine Frage, ob ich denn auf der schönen Grünfläche (die eigentlich nur für den Gebrauch tagsüber bestimmt ist) kostenlos mein Zelt aufschlagen könne, entgegnet dieser recht knapp: "No sir. Either you can go to the campground for 14 Dollars or you can camp a few miles down the river at John Day Dam for free."
Nun, damit is meine Entscheidung klar und ich schaue mir den "Campground" am John Day Staudamm an. Schnell wird jedoch klar, dass ich hier nicht glücklich werde. Vertrocknetes Gestrüpp, kaum Bäume, von Tischen keine Spur und ins Toilettenhäuschen will ich lieber nicht schauen. So günstig soll's dann doch nicht sein. Ein Typ an der Tanke gibt mir den Tipp, mein Zelt im Celilo Park aufzuschlagen, der nur etwa 12 Meilen entfernt ist. Schön gelegen, viele Bäume und sogar Restrooms mit fließendem Wasser. Und sogar umsonst. Klingt gut in meinen Ohren und so stelle ich nach meiner Ankunft im genannten Park fest, dass der Mann recht hatte, wenn nicht unmittelbar am Park eine gut befahrene Eisenbahnstrecke verlaufen würde. Aber okay, es gilt Abstriche zu machen.
Während ich mein Zelt aufbaue, komme ich mit James und Teri ins Gespräch, die schon seit ein paar Tagen hier campen. Prompt laden sie mich zu einem Apple Pie zu sich ein und es entwickelt sich ein sehr schönes Gespräch. Nun weiß ich auch, was ich die letzten Tage im Motel vermisst habe. Es ist klasse, wie unkompliziert viele Leute auf Campgrounds sind und wie schnell man ins Gespräch kommt.
Danke James und Teri, es war ein toller Abend! :-)
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Montag, 16. Juli 2012
Mittwoch, 11. Juli 2012
Die letzten 5 Tage: Ab in die Wüste
Samstag, 07.07.2012
Endlich wieder auf's Rad.
Zwar war es sehr angenehm, für eine Woche mit 4 Rädern zu reisen und die letzten Tage in Idaho Falls waren toll. Doch nun freue ich mich darauf, wieder in die Pedalen zu treten. Nachdem ich mein Gepäck einmal komplett reorganisiert habe, trinke ich mit Ron einem letzten gemeinsamen Kaffee. Danach heißt es Abschied nehmen.
Danke nochmal für alles! Ich habe mich bei Euch sehr wohl gefühlt. Bis zum nächsten Mal! ;-)
Nun geht's ab in die Wüste und dementsprechend heiß wird es auch werden. Daher starte ich bereits um 6:45 Uhr. Dass ich einige Zeit nicht auf dem Rad saß, lassen mich meine Knochen jedoch ein wenig spüren. Muss sich wohl erst alles wieder einspielen. Auch Jolly macht nicht gerade Freudensprünge, dass er wieder in die Lenkertasche darf.
Das anfängliche Glücksgefühl, verbunden mit der Hoffnung, dass mein Hinterteil und mein Sattel auf wundersame Weise zu einer homogenen Einheit verschmolzen sind, weicht nach einigen Meilen wieder der Ernüchterung, dass dies nur eine Wunschvorstellung war. Und auch mein linkes Knie signalisiert mir am Ende des Tages erneut, dass es "not amused" darüber ist, wieder in die Pedale zu treten. Pech! Wir sind ja hier nicht bei "Wünsch dir was". Da geht's jetzt durch! Sind doch nur noch etwa 1200 Kilometer bis Portland. :-)
Bereits gegen 11 Uhr brennt mir die Sonne mit einer erstaunlichen Energie auf den Helm und weit und breit ist kein Schatten auszumachen. Wie gut, dass ich kürzlich bei einer Rest Area meine Wasservorräte aufgefüllt habe. Damit komme ich nach 111 Kilometern in Arco an, wo ich mich im schlechtesten Motel der gesammten Tour einmiete. Donner und Dori! So mieß sah es von außen gar nicht aus.
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass der Mensch im Laufe seines Lebens, eine bestimmte Anzahl von Spinnen und Ungeziefer während des Schlafens vertilgt. Nun, ich schätze in der kommenden Nacht wird's hier eine tolle Proteinkur geben. Jamjam. Aber ich bin ja nicht mehr so zimperlich, also Augen zu und durch!
Auf dem Parkplatz komme ich mit Jeremie ins Gespräch, der mich zu einem Bier einlädt. Er ist Arzt und gerade im kleinen örtlichen Krankhaus stationiert. Feiner Kerl, daher reicht unser Gesprächstoff auch noch für ein zweites Bier, bevor sich der Weltuntergang ankündigt. Ein heftiges Gewitter zieht über Arco hinweg und ich bin froh, dass ich meine ursprünglichen Pläne, heute zu campen, über den Haufen geworfen habe.
Sonntag, 08.07.2012
Ich musste Jolly die Nacht mit zu mir ins Bett nehmen. Der Arme ist vom Feuerwerk in Idaho Falls noch immer etwas traumatisiert, weswegen ihm das Gewitter wohl wieder die Erinnerungen hochgespült hat.
Ich verlasse Arco und mache nach einigen Meilen kurz beim Craters of the Moon National Monument halt, einer vulkanischen Landschaft mit weiten Lavafeldern. Durch den Park selber führt eine 9 Meilen lange Panoramastraße, die ich mit dem Auto auch sicher gefahren wäre. Bei dieser Hitze teile ich mir meine Kräfte aber doch lieber etwas ein und verzichte auf die Fahrt. Somit nutze ich meinen Besuch im Visitorcenter hauptsächlich um Wasser zu tanken, denn es wird schon wieder ziemlich heiß.
Weiter geht es, immer weiter durch die Wüste. Was in Minnesota die Mais- und Kornfelder waren, ist hier Geröll und Strauchwerk. Doch der Rückenwind schiebt mich den gesammten Vormittag sehr gut vorwärts, sodass ich spontan entscheide, nicht beim angedachten Campground zu halten, sondern noch bis nach Fairfield zu fahren.
Nun, ich hatte wohl damit gerechnet, dass mir der Wind auch nachmittags noch wohlgesonnen sein würde. Doch das war leider ein Schuss in den Ofen. Und so kommt zu der Hitze nun auch noch der Gegenwind. Durch die erhöhte Belastung wird der Schmerzsensor in meinem Knie auch gleich wieder angeregt, vermehrt Signale an mein Hirn zu senden. Ob das so eine gute Idee war?
Da es in dieser Gegend eigentlich keine andere Ost-West Verbindung gibt, ist der Highway recht stark befahren. Ist ja auch Sonntag. Und eine Shoulder ist so gut wie nicht vorhanden. Folglich darf ich teilweise wieder akrobatische Übungen vollziehen, um nicht unter die Räder zu gelangen.
Etwa 10 Kilometer vor Fairfield, gerade als ich wieder einem anderen Verkehrsteilnehmer wild gestekulierend klar mache, dass ich mit seinem Überholmanöver nicht einverstanden bin, scherrt einige Meter vor mir ein Wagen auf den Randstreifen. An der Handbewegung des Fahrers erkenne ich, er möchte mit mir in Kontakt treten. Fein! Der war zwar nicht gemeint, doch ich bin gerade so schön geladen, dass wir nun aufpassen müssen, dass hier nichts eskaliert. Angespannt halte ich neben dem roten Autochen und blicke in ein freundliches Gesicht Es ist Randy, der mir gut gelaunt die Hand schüttelt und mich direkt fragt, ob ich "warmshowers.org" kenne. Er ist dort angemeldet und bietet in Fairfield kostenlos ein kleines Häuschen an. Wenn ich Lust habe, kann ich dort pennen. Leicht verwirrt muss ich grinsen. Natürlich kenne ich diese Website, doch damit habe ich ja gerade mal gar nicht gerechnet. Da ich noch kein Plätzchen für die kommende Nacht habe, nehme ich diese Einladung natürlich dankend an.
Abgekämpft und stehend K.O. erreiche ich nach 148 Kilometern Fairfield. Randy wartet schon bei dem Gästehaus auf mich und zeigt mir alles. Er lädt mich auch noch auf ein Bier zu sich ein, doch das würde mir heute den Rest geben, weswegen ich, ein wenig traurig, dankend ablehne. Kurze Zeit später schaut noch seine Frau Laura vorbei und lädt mich für morgen früh zum Frühstück ein. Wow! Manche Dinge geschehen, wenn man am Wenigsten damit rechnet. Life's good :-)
Montag, 09.07.2012
Nach dem tollen Frühstück bei Laura lässt sich der neue Tag auf dem Radl etwas gequält an. Der gestrige Tag steckt mir noch spürbar in den Knochen. Dafür sind es aber auch nur knapp 100 Kilometer bis nach Mountain Home, meinem heutigen Tagesziel.
Hier in Idaho stoße ich immer wieder auf den ursprünglichen Verlauf des berühmten Oregon Trails. Er ist die erste und wohl auch bekannteste Route, auf dem die Siedler mit ihren Planwagen damals nach Westen gezogen sind, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Man kann sich nur schwer vorstellen, welche Strapazen das gewesen sein müssen, in dieser sengenden Hitze und nur mit den einfachsten Mitteln überleben zu müssen. An manchen Stellen finden sich noch Überreste alter Siedlungsbauten. Ich wandere also auf dem Pfad der Geschichte.
So karg die Landschaft ist, so schön ist sie aber auch und ich lasse mich von dem leichten Rückenwind über die Hügel tragen. Zumindest bis kurz vor Mountain Home. Da muss ich leider die Richtung ändern und aus dem leichten Rückwind wird ein starker seitlicher Gegenwind. Über Meilen habe ich nun eine Downhill Passage vor mir. Ich habe das Gefühl, dass mit jedem Meter, den ich an Höhe verliere, die Temperatur überproportional ansteigt. Aus dem starken Gegenwind wird somit ein heißer starker Gegenwind. Wahnsinn!
Ich denke, in Mountain Home habe ich den heißesten Punkt meiner Tour erreicht. Ich halte im örtlichen Wal-Mart und laufe orientierungslos durch die Gänge, einfach um mir etwas Kühlung zu verschaffen, bevor ich mich im Hilander Motel einmiete.
Am späten Nachmittag werde ich noch Zeuge eines Wildfires, welches direkt vor den Toren des Ortes ausgebrochen ist. Der Verkehr wird von der Interstate durch die Stadt geleitet und dunkle Rauchwolken verdecken die Sonne. Löschflugzeuge kreisen und später am Abend kriecht der Duft des Feuers sogar unter meiner Zimmertür durch.
Zwar stehen andere Heimbewohner, genau wie ich, etwas ratlos schauend vor ihren Zellentüren, doch der Inhaber erklärt uns, in seiner freundlich indischen Art, dass dies um die Jahreszeit ganz normal sei und die Feuerwehr das schon machen wird. Also, kann nix mehr passieren. :-)
Dienstag, 10.07.2012
Da mir mein Knie ein wenig Sorgen bereitet, lege ich heute einen Day Off ein und nutze die Zeit für meinen ersten amerikanischen Friseurbesuch. In Downtown Mountain Home finde ich Patsy's Hair Design, wo mir ein Haarschnitt für 12 Dollar angeboten wird. Ich komme sogar ohne Wartezeit direkt dran. Nun, ich lasse noch längst nicht Jeden an mein Haupthaar, doch ich bin auf einer Biketour, und da zählt nur der praktische Nutzen. Also Eitelkeit abgelegt und rein in den Laden. Ich meine, 12 Dollar für Schneiden und Waschen, günstiger bin ich noch nie zu einer kürzeren Frisur gekommen. Das Ambiente gleicht allerdings eher dem kargen Charme einer etwas zu groß geratenen Döneria. Auch ist für 12 Dollar nur der Grobwaschgang enthalten. Die Dame rubbelt mir den Schädel, als würde sie mir Hornhaut entfernen wollen. Nach gefühlten 20 Minuten ist die Sache gelaufen, frei nach dem Pit-Stop-Prinzip: "Rein, rauf, runter, raus". Das Ergebnis kann sich jedoch durchaus sehen lassen. Ich bin zufrieden und auch Jolly teilt meine Einschätzung der Lage.
Mittwoch, 11.07.2012
Nachdem ich Ann & Chuck, meine heutigen Gastgeber, gestern nochmal vertrösten musste, will ich sie heute jedoch nicht warten lassen. Über die Interstate 84 mache ich mich auf den Weg nach Boise. Konnte ich bisher geschickt alle Fahrten auf Interstates vermeiden, bleibt mir heute jedoch keine andere Wahl. Es führt nur dieser eine, geteerte Weg nach Boise. Die Fahrt ist jedoch nicht so schlimm wie ich zunächst vermutet hatte. Zwar rauschen hier die dicken Trucks mit einem Höllenlärm an einem vorbei, doch die Shoulder ist sehr breit und gut befahrbar. Viele Verkehrsteilnehmer weichen netterweise sogar auf die linke Spur aus, um mir einen größeren Überlebensspielraum zu geben. Da habe ich mich auf anderen Gassen schon erheblich unsicherer gefühlt.
Ein großes Problem ist jedoch der ganze Müll, der auf der Shoulder rumfliegt. Jede Menge zerfetzter Reifen und Teile der Karkasse mit dem dünnen Drahtgewebe, dass natürlich Gift für meine Pellen ist. Und so kommt, was kommen musste: Ich habe meine zweiten Platten. Toll! Auf der Interstate. Und kein vernünftiger Platz zum Reifen wechseln.
Ich mag mich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden und so versuche ich zunächst mal wieder einen Pickup Truck anzuhalten. Ich winke also hilfsbedürftig in den Verkehr hinein, doch man winkt mir nur freundlich zurück. Unglaublich! Was denken die? "Oh da steht ein netter Mensch mit einem Fahrrad auf der Interstate und winkt mir zu. Das ist aber freundlich. Winke Winke." Unfassbar.
Frei nach dem Motto "Einmal ist immer das erste Mal" habe ich heute also Premiere im "Reifen wechseln auf der Autobahn". Nach getaner Arbeit nehme ich die Straße wieder unter die Reifen, in der Hoffnung, mich nicht wieder in einem Drahtnetz zu verfangen.
Wieso lassen die den ganzen Müll hier rumliegen? Nach mir die Sintflut? Wird schon Jemand wegräumen? Ne! Räumt nämlich keiner weg!
Wie eine Oase in der Wüste begrüßt mich die Hauptstadt Idahos. Entlang des "Boise Greenbelt" fahre ich, immer entlang des Flusses, quer durch die ganze Stadt, verweile an diversen Punkten und lasse die Umgebung auf mich wirken. Wirklich schön.
Ann erwartet mich schon. Vor über 20 Jahren ist sie aus der Fuldaer Region (unser hessisches Fulda) in die Staaten ausgewandert. Daher klappt die Verständigung auf anhieb, auch wenn ihr nicht mehr jedes Wort sofort auf Deutsch einfällt ;-)
Zusammen mit ihren Kindern und ihrem Mann Chuck verbringen wir einen gemütlichen und sehr schönen BBQ Abend. Habe noch nie so große Steaks gegessen. Sehr lecker. Ich bekomme sogar noch eine Stadtrundfahrt, vorbei am Capitol.
Und ihr Hund Milow hat nach anfänglichen Berührungsängsten schließlich einen neuen Spielkumpanen gefunden. Der Kerl ist wirklich zu putzig. Wäre ich mit dem Auto da, würde ich ihn wohl klauen :-)
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| Die Idaho Falls im Morgenlicht |
Zwar war es sehr angenehm, für eine Woche mit 4 Rädern zu reisen und die letzten Tage in Idaho Falls waren toll. Doch nun freue ich mich darauf, wieder in die Pedalen zu treten. Nachdem ich mein Gepäck einmal komplett reorganisiert habe, trinke ich mit Ron einem letzten gemeinsamen Kaffee. Danach heißt es Abschied nehmen.
Danke nochmal für alles! Ich habe mich bei Euch sehr wohl gefühlt. Bis zum nächsten Mal! ;-)
Das anfängliche Glücksgefühl, verbunden mit der Hoffnung, dass mein Hinterteil und mein Sattel auf wundersame Weise zu einer homogenen Einheit verschmolzen sind, weicht nach einigen Meilen wieder der Ernüchterung, dass dies nur eine Wunschvorstellung war. Und auch mein linkes Knie signalisiert mir am Ende des Tages erneut, dass es "not amused" darüber ist, wieder in die Pedale zu treten. Pech! Wir sind ja hier nicht bei "Wünsch dir was". Da geht's jetzt durch! Sind doch nur noch etwa 1200 Kilometer bis Portland. :-)
| Viel Gegend in alle Richtungen |
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass der Mensch im Laufe seines Lebens, eine bestimmte Anzahl von Spinnen und Ungeziefer während des Schlafens vertilgt. Nun, ich schätze in der kommenden Nacht wird's hier eine tolle Proteinkur geben. Jamjam. Aber ich bin ja nicht mehr so zimperlich, also Augen zu und durch!
Auf dem Parkplatz komme ich mit Jeremie ins Gespräch, der mich zu einem Bier einlädt. Er ist Arzt und gerade im kleinen örtlichen Krankhaus stationiert. Feiner Kerl, daher reicht unser Gesprächstoff auch noch für ein zweites Bier, bevor sich der Weltuntergang ankündigt. Ein heftiges Gewitter zieht über Arco hinweg und ich bin froh, dass ich meine ursprünglichen Pläne, heute zu campen, über den Haufen geworfen habe.
Sonntag, 08.07.2012
Ich musste Jolly die Nacht mit zu mir ins Bett nehmen. Der Arme ist vom Feuerwerk in Idaho Falls noch immer etwas traumatisiert, weswegen ihm das Gewitter wohl wieder die Erinnerungen hochgespült hat.
Weiter geht es, immer weiter durch die Wüste. Was in Minnesota die Mais- und Kornfelder waren, ist hier Geröll und Strauchwerk. Doch der Rückenwind schiebt mich den gesammten Vormittag sehr gut vorwärts, sodass ich spontan entscheide, nicht beim angedachten Campground zu halten, sondern noch bis nach Fairfield zu fahren.
Nun, ich hatte wohl damit gerechnet, dass mir der Wind auch nachmittags noch wohlgesonnen sein würde. Doch das war leider ein Schuss in den Ofen. Und so kommt zu der Hitze nun auch noch der Gegenwind. Durch die erhöhte Belastung wird der Schmerzsensor in meinem Knie auch gleich wieder angeregt, vermehrt Signale an mein Hirn zu senden. Ob das so eine gute Idee war?
Da es in dieser Gegend eigentlich keine andere Ost-West Verbindung gibt, ist der Highway recht stark befahren. Ist ja auch Sonntag. Und eine Shoulder ist so gut wie nicht vorhanden. Folglich darf ich teilweise wieder akrobatische Übungen vollziehen, um nicht unter die Räder zu gelangen.
Etwa 10 Kilometer vor Fairfield, gerade als ich wieder einem anderen Verkehrsteilnehmer wild gestekulierend klar mache, dass ich mit seinem Überholmanöver nicht einverstanden bin, scherrt einige Meter vor mir ein Wagen auf den Randstreifen. An der Handbewegung des Fahrers erkenne ich, er möchte mit mir in Kontakt treten. Fein! Der war zwar nicht gemeint, doch ich bin gerade so schön geladen, dass wir nun aufpassen müssen, dass hier nichts eskaliert. Angespannt halte ich neben dem roten Autochen und blicke in ein freundliches Gesicht Es ist Randy, der mir gut gelaunt die Hand schüttelt und mich direkt fragt, ob ich "warmshowers.org" kenne. Er ist dort angemeldet und bietet in Fairfield kostenlos ein kleines Häuschen an. Wenn ich Lust habe, kann ich dort pennen. Leicht verwirrt muss ich grinsen. Natürlich kenne ich diese Website, doch damit habe ich ja gerade mal gar nicht gerechnet. Da ich noch kein Plätzchen für die kommende Nacht habe, nehme ich diese Einladung natürlich dankend an.
Abgekämpft und stehend K.O. erreiche ich nach 148 Kilometern Fairfield. Randy wartet schon bei dem Gästehaus auf mich und zeigt mir alles. Er lädt mich auch noch auf ein Bier zu sich ein, doch das würde mir heute den Rest geben, weswegen ich, ein wenig traurig, dankend ablehne. Kurze Zeit später schaut noch seine Frau Laura vorbei und lädt mich für morgen früh zum Frühstück ein. Wow! Manche Dinge geschehen, wenn man am Wenigsten damit rechnet. Life's good :-)
Montag, 09.07.2012
Nach dem tollen Frühstück bei Laura lässt sich der neue Tag auf dem Radl etwas gequält an. Der gestrige Tag steckt mir noch spürbar in den Knochen. Dafür sind es aber auch nur knapp 100 Kilometer bis nach Mountain Home, meinem heutigen Tagesziel.
Hier in Idaho stoße ich immer wieder auf den ursprünglichen Verlauf des berühmten Oregon Trails. Er ist die erste und wohl auch bekannteste Route, auf dem die Siedler mit ihren Planwagen damals nach Westen gezogen sind, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Man kann sich nur schwer vorstellen, welche Strapazen das gewesen sein müssen, in dieser sengenden Hitze und nur mit den einfachsten Mitteln überleben zu müssen. An manchen Stellen finden sich noch Überreste alter Siedlungsbauten. Ich wandere also auf dem Pfad der Geschichte.
| The Devils Dive :-) |
Ich denke, in Mountain Home habe ich den heißesten Punkt meiner Tour erreicht. Ich halte im örtlichen Wal-Mart und laufe orientierungslos durch die Gänge, einfach um mir etwas Kühlung zu verschaffen, bevor ich mich im Hilander Motel einmiete.
| Dunkler Rauch über Mountain Home |
Zwar stehen andere Heimbewohner, genau wie ich, etwas ratlos schauend vor ihren Zellentüren, doch der Inhaber erklärt uns, in seiner freundlich indischen Art, dass dies um die Jahreszeit ganz normal sei und die Feuerwehr das schon machen wird. Also, kann nix mehr passieren. :-)
Dienstag, 10.07.2012
Da mir mein Knie ein wenig Sorgen bereitet, lege ich heute einen Day Off ein und nutze die Zeit für meinen ersten amerikanischen Friseurbesuch. In Downtown Mountain Home finde ich Patsy's Hair Design, wo mir ein Haarschnitt für 12 Dollar angeboten wird. Ich komme sogar ohne Wartezeit direkt dran. Nun, ich lasse noch längst nicht Jeden an mein Haupthaar, doch ich bin auf einer Biketour, und da zählt nur der praktische Nutzen. Also Eitelkeit abgelegt und rein in den Laden. Ich meine, 12 Dollar für Schneiden und Waschen, günstiger bin ich noch nie zu einer kürzeren Frisur gekommen. Das Ambiente gleicht allerdings eher dem kargen Charme einer etwas zu groß geratenen Döneria. Auch ist für 12 Dollar nur der Grobwaschgang enthalten. Die Dame rubbelt mir den Schädel, als würde sie mir Hornhaut entfernen wollen. Nach gefühlten 20 Minuten ist die Sache gelaufen, frei nach dem Pit-Stop-Prinzip: "Rein, rauf, runter, raus". Das Ergebnis kann sich jedoch durchaus sehen lassen. Ich bin zufrieden und auch Jolly teilt meine Einschätzung der Lage.
Mittwoch, 11.07.2012
Nachdem ich Ann & Chuck, meine heutigen Gastgeber, gestern nochmal vertrösten musste, will ich sie heute jedoch nicht warten lassen. Über die Interstate 84 mache ich mich auf den Weg nach Boise. Konnte ich bisher geschickt alle Fahrten auf Interstates vermeiden, bleibt mir heute jedoch keine andere Wahl. Es führt nur dieser eine, geteerte Weg nach Boise. Die Fahrt ist jedoch nicht so schlimm wie ich zunächst vermutet hatte. Zwar rauschen hier die dicken Trucks mit einem Höllenlärm an einem vorbei, doch die Shoulder ist sehr breit und gut befahrbar. Viele Verkehrsteilnehmer weichen netterweise sogar auf die linke Spur aus, um mir einen größeren Überlebensspielraum zu geben. Da habe ich mich auf anderen Gassen schon erheblich unsicherer gefühlt.
Ein großes Problem ist jedoch der ganze Müll, der auf der Shoulder rumfliegt. Jede Menge zerfetzter Reifen und Teile der Karkasse mit dem dünnen Drahtgewebe, dass natürlich Gift für meine Pellen ist. Und so kommt, was kommen musste: Ich habe meine zweiten Platten. Toll! Auf der Interstate. Und kein vernünftiger Platz zum Reifen wechseln.
Ich mag mich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden und so versuche ich zunächst mal wieder einen Pickup Truck anzuhalten. Ich winke also hilfsbedürftig in den Verkehr hinein, doch man winkt mir nur freundlich zurück. Unglaublich! Was denken die? "Oh da steht ein netter Mensch mit einem Fahrrad auf der Interstate und winkt mir zu. Das ist aber freundlich. Winke Winke." Unfassbar.
Frei nach dem Motto "Einmal ist immer das erste Mal" habe ich heute also Premiere im "Reifen wechseln auf der Autobahn". Nach getaner Arbeit nehme ich die Straße wieder unter die Reifen, in der Hoffnung, mich nicht wieder in einem Drahtnetz zu verfangen.
Wieso lassen die den ganzen Müll hier rumliegen? Nach mir die Sintflut? Wird schon Jemand wegräumen? Ne! Räumt nämlich keiner weg!
| Chuck, der Olli, Rebekah, Sarah |
Ann erwartet mich schon. Vor über 20 Jahren ist sie aus der Fuldaer Region (unser hessisches Fulda) in die Staaten ausgewandert. Daher klappt die Verständigung auf anhieb, auch wenn ihr nicht mehr jedes Wort sofort auf Deutsch einfällt ;-)
| Milow, mein neuer Spielkumpel |
Und ihr Hund Milow hat nach anfänglichen Berührungsängsten schließlich einen neuen Spielkumpanen gefunden. Der Kerl ist wirklich zu putzig. Wäre ich mit dem Auto da, würde ich ihn wohl klauen :-)
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Freitag, 6. Juli 2012
Die letzten 3 Tage: Independence Day, Birdwatching and Fly fishing
Ein richtiges Bett! Seit über einer Woche wieder ein richtiges Bett. Und dann auch noch so ein bequemes Exemplar. Eigentlich will ich gar nicht aufstehen, doch Ron ist unerbittlich. Es ist Independence Day! Um 9:00 Uhr ist die Parade und da wir zeitig da sein wollen, wird eben auch zeitig aufgestanden. Mit Kaffee und Banana Bread beginnen wir den Tag. Wir müssen beide schmunzeln, denn es erinnert uns an letztes Jahr, als wir am Campground den Tag ebenfalls so begonnen haben.
Ron und ich fahren zur Parade, während Mary noch zuhause bleibt, da sie das BBQ vorbereiten will. Sie kommt später nach.
Nun, die Parade ist schon ziemlich beeindruckend. Als Europäer, speziell Deutscher, stehst du da schon relativ ungläubig staunend und mit großen Augen rum, und weißt eigentlich gar nicht so recht, wohin mit dir. Wahnsinn :-)
Nach der Parade kehren wir nachhause zurück und gönnen uns eine kleine Auszeit, bevor gegen 13:00 Uhr die Gäste zum BBQ erscheinen. Insgesamt sind wir 11 Leute und es ist entwickelt sich zu einem sehr angenehmen Nachmittag. Auch wenn ich nicht alles hundert prozentig verstehe, klappt die Konversation doch besser als ich befürchtet hatte.
Eine weitere Tradition am 4. Juli ist das Baseball Game, zu dem mich Ron & Mary einladen. Die Mannschaft von Idaho Falls spielt zwar nicht in der ersten Klasse, doch immerhin in der untersten Profiliga. Mein erstes Baseball Spiel und Ron versucht beständig, mich mit den Regeln vertraut zu machen. Früher als geplant ist das Spiel bereits beendet, da die Heimmannschaft weit überlegen ist.
Bis zum letzten traditionellen Event, dem Feuerwerk, haben wir noch eine Stunde Zeit. Dennoch begeben wir uns bereits zum Ort des Geschehens, um einen vernünftigen Platz zu erhalten. Da das Feuerwerk wohl eines der größten diesseits des Mississippi ist, ist der Andrang entsprechend groß. Viele campen bereits seit dem Morgen am Flussufer, um die besten Plätze zu erhaschen. Was dann abgeht, habe ich in dieser Dimension in der Tat noch nicht gesehen. Über eine halbe Stunde lang brennt der Himmel über dem Snake River. Der örtliche Radiosender strahlt ein Programm aus, was mit dem Feuerwerk synchron verläuft. Aus tausenden mitgebrachter Radios erklingen die patriotischen Songs und machen so die Atmosphere perfekt. Ein langer Tag findet ziemlich lautes Ende.
Als wir nachhause kommen ist Jolly nicht da, wo ich ihn vermuten würde. Sämtliches Rufen und Suchen ist zwecklos. Jolly ist verschwunden. Naja, das Feuerwerk war ziemlich laut. Wahrscheinlich hat er sich in die letzte Ecke verkrochen. Ich gebe ihm noch ein wenig Zeit und gehe ins Bett.
Donnerstag, 05.07.2012
Als ich wach werde blicken mich zwei vorwurfsvolle Augen an. Jolly! Er sieht ein bischen aus wie Scrat aus Ice Age, nur etwas zorniger. Nachdem ich ihm aufrichtig versichert habe, dass es mir leid tut, lichten sich seine Zornesfalten und er nimmt schließlich meine Entschuldigung an. Olle Zicke :-)
Heute morgen fahren Ron und ich mein Rad zu einem örtlichen Bikeshop. Für die Reperatur der gebrochenen Speiche werden gerade einmal 16 Dollar, also umgerechnet etwa 13 Euro fällig. Wir müssten mal den Michael fragen, ob das in Deutschland auch zu diesem Preis zu haben ist. ;-)
Eigentlich wollte ich heute ein wenig ausruhen und meine weitere Tour planen, doch Glenn, der gestern auch beim BBQ war, rief an und fragte, ob wir nachmittags nicht zum Birdwatching wollen. Laut Ron ist Glenn ein ausgesprochener Spezialist auf diesem Gebiet und es ist ein Vergnügen mit ihm loszuziehen. Um ehrlich zu sein, kam ich bisher noch nie auf die Idee mir Vögel anzuschauen, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Gesagt getan. Wir holen Glenn ab und machen uns auf den Weg zum nahe gelegenen Habitat. Unterwegs versuche ich unseren ollen deutschen Kaluer "Ich bin gut zu Vögeln" ins Englische zu übersetzen, muss dann jedoch feststellen, dass es keine adäquate Übersetzung gibt, welche die Doppeldeutigkeit unserer Sprache auch im Englischen wiedergeben würde. Also halte ich lieber meine Klappe. :-)
Glenn ist wirklich ein Meister seines Faches. Und obendrein ist er ein sehr humoristischer Zeitgenosse. Es war genau die richtige Entscheidung, unseren Nachmittag in dieser Form zu verbringen. Wieder einmal stellt man erstaunt fest, wie wunderschön die Natur doch ist, wenn man sich einfach die Zeit nimmt, um zu beobachten.
Thanks a lot Glenn! I enjoyed our trip very much! It was a perfect idea.
Freitag, 06.07.2012
Als ich Ron & Mary letztes Jahr kennenlernte, versprach mir Ron, dass er mir eine Exkursion im "Fly fishing" geben würde, sollte ich sie einmal besuchen kommen. Ich weiß nicht, ob er sich noch daran erinnert hat. Ich konnte mich sehr gut erinnern und somit komme ich heute gerne auf dieses Angebot zurück. :-)
Unsere Fahrt führt uns an den "Warm River", einige Meilen nordöstlich von Idaho Falls gelegen. Nachdem ich in die grundsätzliche Vorgehensweise beim Fly fishing instruiert wurde, darf ich einige Trockenübungen absolvieren. Ron macht sich einen Spaß daraus, mir wie ein "drill sergeant", entsprechende Befehle zuzurufen. "ten o'clock! two o'clock! ten o'clock! two o'clock! pretty simple!" :-) Wobei hiermit der Vor- und Rückwurf des Rutenarms gemeint ist, um immer mehr Schnurr von der Rolle zu geben und den Köder schließlich auf dem Wasser zu platzieren.
Gar nicht so einfach, vor allem unter Hochspannungsleitungen. Doch schließlich habe ich diesen Teil bestanden und wir machen uns auf in die Fischgründe.
Man merkt Ron an, dass er in seinem Element ist. Voll ausgerüstet sieht er mit seiner Anglerweste aus, wie ein Hijacker, der sich jeden Moment in die Luft sprengen will. Neben ihm sehe ich wahrlich aus wie ein Anglertourist. :-)
Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich hätte nicht gedacht, dass das einen solchen Spaß machen kann. Obendrein gehen mir doch tatsächlich auch 3 Fische an die Leine! Ich vermute ja noch immer, dass das reiner Zufall war oder sie sich einfach verschwommen haben. Wie dem auch sei, mein Herz ist zu weich, als dass ich etwas Anderes mit ihnen machen könnte, als sie wieder zurück in den Fluss zu entlassen. Am Ende des Tages haben wir zwar nichts zu Essen, doch dafür einen tollen Tag gehabt und so gehen wir zusammen mit Mary in einen Carl's Junior :-)
Thanks Ron for your patience. I had a blast! Next time it's my job to let the fish off the hook ;-)
Ziemlich geschlaucht falle ich abends ins Bett. Dabei waren wir doch "nur" zum fly fishing. Da ich morgen ziemlich früh starten will, Mary jedoch noch nicht so zeitig aufstehen möchte, verabschieden wir uns schon heute Abend.
Thank you so much Mary for your hospitality, the delicious meals and the icecream bomb of course. ;-) By the way: I forgot the recipe...
Ron und ich fahren zur Parade, während Mary noch zuhause bleibt, da sie das BBQ vorbereiten will. Sie kommt später nach.
Nun, die Parade ist schon ziemlich beeindruckend. Als Europäer, speziell Deutscher, stehst du da schon relativ ungläubig staunend und mit großen Augen rum, und weißt eigentlich gar nicht so recht, wohin mit dir. Wahnsinn :-)
Nach der Parade kehren wir nachhause zurück und gönnen uns eine kleine Auszeit, bevor gegen 13:00 Uhr die Gäste zum BBQ erscheinen. Insgesamt sind wir 11 Leute und es ist entwickelt sich zu einem sehr angenehmen Nachmittag. Auch wenn ich nicht alles hundert prozentig verstehe, klappt die Konversation doch besser als ich befürchtet hatte.
Eine weitere Tradition am 4. Juli ist das Baseball Game, zu dem mich Ron & Mary einladen. Die Mannschaft von Idaho Falls spielt zwar nicht in der ersten Klasse, doch immerhin in der untersten Profiliga. Mein erstes Baseball Spiel und Ron versucht beständig, mich mit den Regeln vertraut zu machen. Früher als geplant ist das Spiel bereits beendet, da die Heimmannschaft weit überlegen ist.
Bis zum letzten traditionellen Event, dem Feuerwerk, haben wir noch eine Stunde Zeit. Dennoch begeben wir uns bereits zum Ort des Geschehens, um einen vernünftigen Platz zu erhalten. Da das Feuerwerk wohl eines der größten diesseits des Mississippi ist, ist der Andrang entsprechend groß. Viele campen bereits seit dem Morgen am Flussufer, um die besten Plätze zu erhaschen. Was dann abgeht, habe ich in dieser Dimension in der Tat noch nicht gesehen. Über eine halbe Stunde lang brennt der Himmel über dem Snake River. Der örtliche Radiosender strahlt ein Programm aus, was mit dem Feuerwerk synchron verläuft. Aus tausenden mitgebrachter Radios erklingen die patriotischen Songs und machen so die Atmosphere perfekt. Ein langer Tag findet ziemlich lautes Ende.
Als wir nachhause kommen ist Jolly nicht da, wo ich ihn vermuten würde. Sämtliches Rufen und Suchen ist zwecklos. Jolly ist verschwunden. Naja, das Feuerwerk war ziemlich laut. Wahrscheinlich hat er sich in die letzte Ecke verkrochen. Ich gebe ihm noch ein wenig Zeit und gehe ins Bett.
Donnerstag, 05.07.2012
Als ich wach werde blicken mich zwei vorwurfsvolle Augen an. Jolly! Er sieht ein bischen aus wie Scrat aus Ice Age, nur etwas zorniger. Nachdem ich ihm aufrichtig versichert habe, dass es mir leid tut, lichten sich seine Zornesfalten und er nimmt schließlich meine Entschuldigung an. Olle Zicke :-)
Heute morgen fahren Ron und ich mein Rad zu einem örtlichen Bikeshop. Für die Reperatur der gebrochenen Speiche werden gerade einmal 16 Dollar, also umgerechnet etwa 13 Euro fällig. Wir müssten mal den Michael fragen, ob das in Deutschland auch zu diesem Preis zu haben ist. ;-)
Eigentlich wollte ich heute ein wenig ausruhen und meine weitere Tour planen, doch Glenn, der gestern auch beim BBQ war, rief an und fragte, ob wir nachmittags nicht zum Birdwatching wollen. Laut Ron ist Glenn ein ausgesprochener Spezialist auf diesem Gebiet und es ist ein Vergnügen mit ihm loszuziehen. Um ehrlich zu sein, kam ich bisher noch nie auf die Idee mir Vögel anzuschauen, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Gesagt getan. Wir holen Glenn ab und machen uns auf den Weg zum nahe gelegenen Habitat. Unterwegs versuche ich unseren ollen deutschen Kaluer "Ich bin gut zu Vögeln" ins Englische zu übersetzen, muss dann jedoch feststellen, dass es keine adäquate Übersetzung gibt, welche die Doppeldeutigkeit unserer Sprache auch im Englischen wiedergeben würde. Also halte ich lieber meine Klappe. :-)
Glenn ist wirklich ein Meister seines Faches. Und obendrein ist er ein sehr humoristischer Zeitgenosse. Es war genau die richtige Entscheidung, unseren Nachmittag in dieser Form zu verbringen. Wieder einmal stellt man erstaunt fest, wie wunderschön die Natur doch ist, wenn man sich einfach die Zeit nimmt, um zu beobachten.
Thanks a lot Glenn! I enjoyed our trip very much! It was a perfect idea.
Freitag, 06.07.2012
Als ich Ron & Mary letztes Jahr kennenlernte, versprach mir Ron, dass er mir eine Exkursion im "Fly fishing" geben würde, sollte ich sie einmal besuchen kommen. Ich weiß nicht, ob er sich noch daran erinnert hat. Ich konnte mich sehr gut erinnern und somit komme ich heute gerne auf dieses Angebot zurück. :-)
Unsere Fahrt führt uns an den "Warm River", einige Meilen nordöstlich von Idaho Falls gelegen. Nachdem ich in die grundsätzliche Vorgehensweise beim Fly fishing instruiert wurde, darf ich einige Trockenübungen absolvieren. Ron macht sich einen Spaß daraus, mir wie ein "drill sergeant", entsprechende Befehle zuzurufen. "ten o'clock! two o'clock! ten o'clock! two o'clock! pretty simple!" :-) Wobei hiermit der Vor- und Rückwurf des Rutenarms gemeint ist, um immer mehr Schnurr von der Rolle zu geben und den Köder schließlich auf dem Wasser zu platzieren.
Gar nicht so einfach, vor allem unter Hochspannungsleitungen. Doch schließlich habe ich diesen Teil bestanden und wir machen uns auf in die Fischgründe.
Man merkt Ron an, dass er in seinem Element ist. Voll ausgerüstet sieht er mit seiner Anglerweste aus, wie ein Hijacker, der sich jeden Moment in die Luft sprengen will. Neben ihm sehe ich wahrlich aus wie ein Anglertourist. :-)
Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich hätte nicht gedacht, dass das einen solchen Spaß machen kann. Obendrein gehen mir doch tatsächlich auch 3 Fische an die Leine! Ich vermute ja noch immer, dass das reiner Zufall war oder sie sich einfach verschwommen haben. Wie dem auch sei, mein Herz ist zu weich, als dass ich etwas Anderes mit ihnen machen könnte, als sie wieder zurück in den Fluss zu entlassen. Am Ende des Tages haben wir zwar nichts zu Essen, doch dafür einen tollen Tag gehabt und so gehen wir zusammen mit Mary in einen Carl's Junior :-)
Thanks Ron for your patience. I had a blast! Next time it's my job to let the fish off the hook ;-)
Ziemlich geschlaucht falle ich abends ins Bett. Dabei waren wir doch "nur" zum fly fishing. Da ich morgen ziemlich früh starten will, Mary jedoch noch nicht so zeitig aufstehen möchte, verabschieden wir uns schon heute Abend.
Thank you so much Mary for your hospitality, the delicious meals and the icecream bomb of course. ;-) By the way: I forgot the recipe...
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