Freitag, 15. Juni 2012

Die letzten 3 Tage: Der Beginn einer Freundschaft

Deutschland 2 - Holland 1. So verbringe ich einen weiteren Day off in einem Super 8 Motel. Ich liebe diese Motels. Die duften meist auch immer so toll nach den Mottenkugel-Tabac Original-Reinigungsmitteln, wie auch die Flughäfen :-)
Da Gammeln bekanntlich müde macht, liege ich bereits zeitig in der Kiste und lass mich vom Weather Channel berieseln.

Nachdem ich mit Patrick gestern via Facebook ausgemacht habe, dass ich gegen 6 Uhr abends bei ihm bin, hab ich heute morgen keine Eile. Für 90 km muss ich nicht schon um 8 Uhr auf der Straße sein. So ziehe ich mir hier genüßlich dass völlig übersüßte Continental Breakfast rein und beginne gegen 10 Uhr meinen Kampf gegen den Wind. Der hat's heute in sich und bereits auf den ersten Meilen vermisse ich meinen Flügelmann. Spätestens jetzt weiß ich Nigel's Windschatten zu schätzen. Und als ob das nicht reicht, ist Wisconsin deutlich hügeliger als Michigan. Meine "Rollin-Hills" sind wieder da. Da ich schon relativ frustiert bin, beschließe ich, dass heute ein guter Tag ist, um das anzunehmen was ist. Denn was ist, das ist ja bereits. Es bringt nichts mit dem Wind und den Hügeln zu hadern, denn sie sind nunmal da. Was soll ich sagen, es funktioniert. Meine Stimmung bessert sich zusehends.
Welch Magie...

Inzwischen sieht es hier nicht mehr nur so aus wie zuhause. Ich habe das Gefühl durch ein Wurmloch direkt nach Landenhausen katapultiert worden zu sein. Inklusive Kalkwerke Meister (links im Bild) und Otterbein (rechts hinten). Welch Magie...



Dieser Teil von Wisconsin scheint mir ziemlich deutsche Wurzeln zu haben. Ich komme durch Orte wie "New Holstein" und "Kiel" und auf Briefboxen lese ich Namen wie "Hansen".

Für einige Meilen muss ich einen stark befahrenen Highway nehmen. Dieser hat zwar eine ganz gut ausgebaute "Shoulder", doch das Zusammenspiel zwischen Seitenwind und vorbeirauschenden Trucks ergibt teilweise so derbe Sogwirkungen und Verwirbelungen, dass ich aufpassen muss, nicht im Graben zu landen. Ein zweifelhaftes Vergnügen und ich muss mit meiner Geduld kämpfen. Ich bin froh, als ich nahe Fond du Lac (gesprochen "Fändläc"), meinem heutigen Tagesziel, auf einen Radweg abbiegen kann. Da es erst 4 Uhr ist, verbringe ich meine Zeit noch am kleinen Hafen und dem angrenzenden Park am Lake Winnebago.

Am kleinen Hafen von Fond du Lac
Die Straße weiß ich zwar noch, doch die Hausnummer nicht mehr. Also halte ich nach dem "McSports" Lieferwagen Ausschau, mit dem Patrick gestern unterwegs war. "Oliver!" ertönt hinter mir plötzlich mein Name. Ich bin zu weit gefahren, doch Patrick hat's gemerkt und winkt mich zu seinem Haus. Seine Frau Bobby ist auch schon zuhause und wir machen uns bekannt. Schönes Häuschen hab die Beiden hier und ich bekomme wieder mal mein eigenes Zimmer :-)
Patrick hat mir gestern angeboten, mit mir nach Appleton zu fahren, um den "Inner Sleeping Bag" (eigentlich ein "Sleeping Bag Liner") zu besorgen. Vorausschauend hat er dort schon angerufen und ein Exemplar zurücklegen lassen. Anschließend gehen wir noch in einem "Chili's" was essen, dem ersten auf meiner Tour. Für mich gibt's heute jedoch "nur" einen Salat. :-)

Der Künstler mit seiner Takamine
Zurück zuhause führt Patrick mich in den Tempel. Da er Musiker ist, hat er im Keller seinen kreativen Bereich. Mir stockt der Atem, als ich in die heiligen Hallen komme, hängen da doch glatt diverse Gitarren an der Wand und eine davon ist eine "Paula" (Gibson Les Paul) :-) Natürlich möchte ich eine Kostprobe seines Schaffens. Wow! Der Typ hat's drauf. Geniales Fingerpicking! Hätte ich bloß mal die Klappe gehalten, dass ich auch ein paar Akkorde drauf hab, so sehe ich mich nun damit konfrontiert, ebenfalls was zum Besten zu geben. Da ich lange nicht mehr gespielt hab, fällt mich auch nicht wirklich viel ein. Selbst "Nothing else matters" will mir nicht mehr aus den Fingern fließen!

Eine Paula! :-)
So verbringen wir den restlichen Abend bei einem kühlen Bud Light zusammen mit Bobby auf der Couch und quatschen über das Radeln, Politik und das Leben.

Als ich aufwache weiß ich erstmal gar nicht wo ich bin. Boah hab ich gut gepennt. Ich würde mich eigentlich gerne wieder umdrehen, doch es ist schon halb 8 und ich will noch ein paar Meilen fahren. Ziemlich zerstört taste ich mich in den Wohnbereich vor, wo Pat mich bereits von seinem Sessel aus angrinst. Bobby ist schon früh zur Arbeit, doch Patrick hat sich heute den Tag frei genommen, um mit mir die ersten Meilen des heutigen Tages zusammen zu fahren. Vorher macht er uns jedoch ein leckeres Frühstück und wir genießen den Kaffee auf der Veranda. Es ist ein Genuß mit Pat über Gott und die Welt zu quatschen. Wir funken einfach auf dem gleichen Kanal. So kommt es, dass die Zeit wegfliegt und wir erst kurz vor Mittag auf die Straße kommen.

Von Fond du Lac aus fahren wir gemütlich einen Bike Trail bis Rosendale, wo wir uns verabschieden. Sagte ich bereits, dass wir auf dem gleichen Kanal sind? Deswegen stehen wir in Rosendale noch eine weitere geschlagene Stunde, bis wir dann wirklich getrennte Wege fahren. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir jedoch noch nicht, dass wir uns heute nochmal sehen werden.

Da der Tag bereits vorangeschritten ist (und weil mich der Grgenwind und Verkehr nervt), lasse ich es etwas ruhiger angehen und fahre heute insgesamt nur etwa 50 Kilometer bis zu einem Campground am Green Lake. Ich werde dafür morgen ein paar mehr Meilen demmeln. Zwischenzeitlich schwenke ich für ein paar wenige Meilen in nördliche Richtung und habe somit tollen Rückenwind. Wahnsinn! Unbeschreiblich! Genial! Wenn ich mir vorstelle, dass ich nur solchen Rückenwind hätte, wenn ich die Tour in entgegengesetzter Richtung fahren würde. Die Meilen würden nur so dahin fliegen. Aber ich fahre nicht in entgegengesetzter Richtung! Ende, aus, Micky Maus! Ich tröste mich mit der Gewissheit, dass Lewis & Clark Amerika auch nicht von West nach Ost entdeckt haben.

Am Campground ist angenehm wenig los und so kann ich mir in Ruhe ein Plätzchen aussuchen, nicht weit vom See entfernt. Bereits jetzt bemerke ich das hohe Aufkommen an fliegendem Mistgeviech. Na das kann ja lustig werden. Während ich damit beschäftigt bin, meine Behausung zu errichten, kommt ein Wagen um die Ecke gebogen, dessen Insassen mir im Bruchteil einer Sekunde sehr bekannt erscheinen. Bevor mein Hirn diese Information jedoch genauer analysieren kann, ertönt aus dem Wagen schon ein "Ey buddy!". Pat & Bobby :-)

Etwas überrascht, doch noch mehr erfreut, bin ich leicht sprachlos. Was machen die Beiden denn hier und vor allem, wie haben sie mich gefunden? Bobby kommt mit mir vertrauten Utensilien auf mich zu und überreicht mir mein Duschgel & Shampoo, was ich bei ihnen vergessen habe! :-) Sie wollten sowieso in Green Lake Pizza essen gehen und da es nicht so viele Campgrounds in der Gegend gibt, haben sie einen Versuch unternommen. et voilá :-)
Darüber hinaus laden sie mich ein, mit ihnen Pizza essen zu gehen. Klar dass ich das nicht ablehne.

Thank you Pat and Bobby for everything. I had a terrific time with you. Wish we had more time together. Should I ever be back in the area, I will definitely knock on your door. And should you find your way to Germany someday, you are very welcome! Would be a pleasure to see you again in this life. :-)

Pat hat unsere Zeit mit schöneren Worten beschrieben und auch die Bilder gemacht, die ich heute leider vergessen habe: http://cyclelust.blogspot.com/2012/06/friendship-is-born.html

Gefahrene Kilometer
letzte 3 Tage: 143 km
insgesamt: 1970 km



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Dienstag, 12. Juni 2012

Die letzten 3 Tage: Nach 1712 km am Lake Michigan

Along the way
Heute morgen mache ich mir mein erstes eigenes Oatmeal und schwinge mich gegen 10:00 Uhr auf die Straße. Sonnig und warm ist es und ich scheine in einer ganz guten Form zu sein, denn das Radl pedaliert sich recht fluffig. Von Clare bis Reed City fahre ich wieder auf einem alten Railway-Trail, der geteert und super zu befahren ist. Meilenweit begegnet mir hier kaum eine Menschenseele. Bei dem traumhaften Wetter kommt mir die Idee, dass ich mal oberkörperfrei Fahren könnte, damit sich der Kontrast zwischen Kopf/Armen/Beinen und dem Rest merinerds "Bodys" nich ganz so stark entwickelt. Nach einigen wenigen Meilen gebe ich das Vorhaben jedoch auf, da zu viele Stechviecher unterwegs sind, die meinen Rücken penetrieren. Also Shirt wieder an und den Kontrast Kontrast sein lassen.

Nudelsüppsche
Relativ früh, gegen 16:00 Uhr, komme ich an meinem geplanten Campground im Leverenz Lake State Forest an. Ich überlege kurzfristig, ob ich die restlichen etwa 55 Kilometer bis nach Ludington noch fahren soll. Dann könnte ich morgen zusammen mit Nigel auf die Fähre. Der ist nämlich heute bei Juliann, meiner morgigen Warmshower-Übernachtung. Da ich allerdings schon knapp 100 Kilometer auf dem Buckel habe, verwerfe ich diesen Gedanken und richte mich auf dem ziemlichen einsamen Campground häuslich ein. Da er direkt am See liegt, sind wieder einige Blutsauger unterwegs, die inzwischen mehr als lästig sind. In Ermangelung geeigneter Alternativen stehe ich teilweise wild fuchtelnd im Gehölz und trage so sicherlich zur Erheiterung der anwesenden Waldbewohner bei.

Krankenwagenfahrer beim Angeln!?
Abends am Lagerfeuer bekomme ich Besuch der tierischen Art. An Rascheln im Unterholz habe ich mich ja schon gewöhnt, doch als ich mit meiner Stirnlampe die Umgebung ausleuchte, leuchten mich aus dem Wald zwei Augen an. Die Umrisse deutend kann ich erkennen, dass das Etwas für ein Eichhörnchen zu groß und für einen Bären zu klein ist. Das lässt mich einigermaßen gleichmäßig weiter atmen. Da es ein neugieriges Etwas ist, steuert es frohen Mutes auf mich zu. Vorsorglich bewaffne ich mich mit einem Stock, als ich sehe, dass es ein Waschbär auf der Suche nach Futter ist. Geradewegs steuert der Kollege auf mein Fahrrad und die dortigen Packtaschen zu. Da dort Futter zu finden ist, ich dieses jedoch für mich haben möchte, schneide ich ihm den Weg ab.

Etwas fragend schaut mich "Rocco" an (ich habe entschieden, dass es ein "Er" ist und ihn nach meiner damaligen Begegnung benannt). Für den Moment reicht das aus und er trollt sich seines Weges. Allerdings taucht er den ganzen Abend immer wieder in meinem Dunstkreis auf und ich muss ihn mehrmals ermahnen, sich sein eigenes Fresschen zu suchen. Als ich mich später im Zelt einrolle, dauert es nicht lange, bis ich ihn draußen auf dem Tisch an den leeren Bierdosen werkeln höre. Wie gut dass ich die Packtaschen diesmal mit ins Zelt genommen habe.


Allmorgendliches Chaos
Am nächsten Morgen stehe ich zur Abwechslung mal sehr zeitig auf, da für heute Thunderstorms angekündigt sind und ich in Ludington sein möchte, bis diese eintreffen. Letztendlich ist es wie so oft. Außer ein paar dunklen Wolken passiert nichts weiter. Die ersten Meilen schickt mich mein Navi über eine Straße, die eigentlich nicht als solche zu bezeichnen ist, da ein Schotter-/Feldweg. In Verbindung mit den fießen Querrillen (Waschbrettpiste), macht das Fahren hier ganz besonders Spaß. Meine Gedanken kreisen die ganze Zeit wieder um meine Reifen. Doch die guten Conti-Pellen halten! :-)


Ich erreiche Ludington bereits am frühen Nachmittag. Da Juliann, meine heutige Warmshower-Gastgeberin, jedoch erst abends von der Arbeit kommt, treibe ich mich ein wenig in der Stadt rum, sitze am Lake Michigan und faulenze etwas. Erst jetzt realsiere ich, dass ich am Lake Michigan angekommen bin, morgen den Staat Michigan hinter mir lasse und in eine neue Zeitzone segeln werde. 1712 km von Cedar Grove, New Jersey nach Ludington, Michigan. Wow! Etwas stolz lehne ich mich zurück und lasse die Szenerie auf mich wirken.


Als ich am Haus von Juliann eintreffe, ist sie noch nicht da, dafür empfangen mich jedoch ihre Eltern, die gerade zu Besuch sind. Wie immer bei meinen bisherigen Warmshower Erfahrungen werde ich dazu ermutigt, mich wie zuhause zu fühlen. Also nehme ich ein warme Dusche und kümmere mich anschließend etwas um mein Rad.
Juliann hat eine Mitbewohnerin: Jasmine. Ein schmusiges Katzenmädchen. Wir beide sind von Anfang an ein Arsch und ein Deckel. Juliann meint dazu: "New best friends" :-)
Gemeinsam sitzen wir abends auf der Veranda und quatschen über Gott und die Welt. Zumindest versuche ich das, da mir meine Englisch-Kenntnisse heute wieder einen Streich spielen. Teilweise bin ich derart am Stammeln und Vokabeln Sortieren, dass es fast peinlich ist. Auch wenn Juliann das anders sieht.

Auch wenn die Zeit recht kurz war, vielen Dank Juliann für Deine offene, unkomplizierte Art und dass alles so kurzfristig geklappt hat. Und ich hoffe, dass Google Translate keinen "Garbage" ausspuckt ;-)

Ich weiß nicht wen Jasmine lieber hat, mich oder Jolly. Jedenfalls hat sie die Nacht bei uns verbracht. Jolly hat sich gestern übrigens das erste Mal wieder aus seinem Versteck gewagt, nachdem ich ihm schriftlich versichert habe, dass der Engländer weg ist. Dem hat er nämlich nicht getraut :-)

Da die Fähre nach Wisconsin um 9:00 Uhr ablegt, verabschieden wir uns und machen uns auf den kurzen Weg; ist nämlich nur wenige Blocks entfernt.

Es ist ein toller Tag. Angenehme Temperaturen, die Sonne strahlt vom Himmel und es ist kein Wölkchen zu sehen. Perfekte Bedingungen für eine gemütliche Seefahrt. Und so genieße ich die Fahrt auch sehr. Die S.S. Badger ist die letzte Passagier-/Autofähre der USA, die noch mit Kohle betrieben wird. Das gute Stück hat also schon ein paar Jahre auf dem Buckel.

Während der Fahrt plaudere ich mit Ron, dem Rentner, der mir viel über seine ehemalige eigene Firma erzählt, Steve, der jahrelang auf Containerschiffen auf dem Lake Michigan unterwegs war und mit Ryan und seiner Familie. Es ist schon toll wie einfach man mit Leuten in Kontakt kommt, wenn man mit dem Rad unterwegs ist.

In Wisconsin angekommen, mache ich mich auf den Weg zu einem Sportgeschäft, um mir ein dünnes Innenfutter für den Schlafsack zu besorgen, um diesen etwas zu schonen. Leider haben sie nicht das, was ich suche.

Dafür komme ich mit Patrick in ein sehr nettes Gespräch, was sich über eine Stunde ausdehnt. Er und seine Frau planen für nächstes Jahr eine längere Auszeit, um ebenfalls mit dem Rad quer durch die Staaten zu fahren. Wir haben also viel Gesprächsstoff. Schließlich tauschen wir noch die Facebook Daten aus, um in Kontakt zu bleiben.





Da mein Knie noch immer Probleme macht, beschließe ich, mir morgen noch einen Day off zu gönnen. Daher such ich mir in Manitowoc ein Motel und widme mich meiner Lieblingsbeschäftigung: Wäsche waschen :-)
 

Gefahrene Kilometer
letzte 3 Tage: 276 km (100 km Fähre, 176 km Fahrrad)
insgesamt: 1827 km





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Samstag, 9. Juni 2012

Die letzten 3 Tage: Abschied von Nigel

Nach dem obligatorischen Oatmeal brechen wir auf in Richtung Bay City. Schnuckeliges kleines Städtchen und Heimatstadt von Madonna, wie wir gestern Abend erfahren haben. Sie wird hier jedoch nur selten gesehen. Ich bin mir nicht sicher, aber spielt hier nicht auch der Film (nicht die Serie) "Starsky & Hutch"? Wir drücken uns ein wenig entlang der schön angelegten Uferpromenade herum, wo früher einmal ein Schiffsdock war. Man sieht noch die Gerippe der versunkenen Schiffe im Hafenbecken. Die hat man hier gleich liegen gelassen. Anschließend machen wir mal wieder eine Wäsche. Manche Stücke haben's bitter nötig.

Da wir noch nicht allzu viele Kilometer gemacht haben, geben wir Gas um nach Midland zu kommen, wo wir uns jedoch nicht lange aufhalten, sondern entlang eines schön angelegten Radweges bis zum Black Creek Campground fahren. Es ist ein State Forest Campground und nicht sonderlich geflegt, dafür recht günstig. Da es schon spät geworden ist, beginnen wir umgehend mit dem Aufbau des Nachtlagers. Chefkoch Nigel zaubert uns wieder ein Abendessen, während Smutje Krasel sich ans Holzsammeln macht. Nigel ist ziemlich müde und so verschwindet er gegen 22:00 Uhr im Zelt, nachdem er seine Häfte des Sixpacks geleert hat. Ich bleibe noch einige Zeit, denn schließlich muss ja jemand das ganze Holz verbrennen.
Als ich so romantisch mit mir am Feuer sitze und an nichts Böses denke, wird meine Romantik von einem knackenden Geräusch aus dem Wald, unmittelbar vor mir, unterbrochen, gefolgt von dem geräuschvollen Zusammenbrechen eines Baumes und dem Aufschlagen auf dem laubüberzogenen Waldboden. Für ein paar Sekunden bleibt mir die Luft weg und ich warte darauf, dass der Predator aus dem Wald gestiefelt kommt. Doch es bleibt ruhig und so beginne ich vorsichtig weiter zu atmen. Es ist absolut windstill. Ist da wirklich gerade ein Baum umgefallen?

Als ich aufwache, ist Nigel schon damit beschäftigt...na Ihr wisst schon: Oatmeal :-)

Dunkle Wolken hängen am Himmel und die Befürchtung wird unterwegs bestätigt. Einen schönen dicken Schauer erwischen wir. Doch nachdem wir uns in die Regenklamotten gepackt haben, ist der Spuk auch schon vorbei und die Sonne lacht wieder vom Himmel.
In Coleman machen wir halt bei einem alten Restaurant. Schön spartanisch eingerichtet, mit wenigen Gegenständen aus längst vergangen Zeiten. Wir bestellen uns einen leckeren, jedoch völlig überteuerten Apple Pie mit Kaffee und verleihen der Bedienung gemeinschaftlich die Deutsch-Britische Auszeichnung "Worst waitress of the month". Mein alter österreischer Kumpel würde sagen: "Wos an Pestfetzen!"

Clare, Michigan. Ein historischer Ort. Spätestens seit dem 08.06.2012. Denn hier trennen sich unsere Wege. Da ich morgen unser erstes EM-Spiel sehen will, nehme ich hier einen Day Off. Außerdem macht sich mein linkes Knie bemerkbar, weswegen mir die Pause nicht ungelegen kommt. Um diesen Abschied in einem würdigen Rahmen zu zelebrieren, begeben wir uns zu einem städtischen Denkmal: Cops & Doughnuts! :-)
Einige Doughnuts später ist es dann jedoch soweit. Unsere Wege trennen sich. Nigel wird heute noch einige Meilen fahren und ich werde mir ein Motel suchen.

Bye Nigel! I enjoyed our ride very much. Thank you for the Oatmeal-Ritual, the slipstream and telling me all those silly words ;-) Take care and good luck!

Meinen Day Off verbringe ich mit Gammeln, Essen, Fußball gucken und ich gönne mir sogar 2 Bier. Also alles fast wie zuhause :-)

Gefahrene Kilometer
letzte 3 Tage: 139 km
insgesamt: 1551 km


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